Mit einem Nachwort. Gerhard L. Durlacher (1928-1996) wuchs in Baden-Baden auf. 1937 floh die Familie nach Holland. Von dort aus wurde er 1942 in das holländische Transitlager Westerbork deportiert und 1944 über Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt. Er war einer der wenigen, die das Todeslager überlebten. Nach der Befreiung kehrte er 17-jährig nach Holland zurück, wo niemand auf ihn wartete, schloss zunächst ein Medizinstudium mit Promotion ab. Im anschließenden Soziologiestudium führten seine anerkannten Veröffentlichungen rasch zu einem Lehrstuhl.Über das in den Konzentrationslagern erlittene Leid schwieg er 40 Jahre lang und verschloss es tief im Inneren. Erst mit fast 60 Jahren wird es ihm möglich, zu schreiben und das Erlebte in Bildern und Szenen mit schockierender Eindringlichkeit und bitterer Präzision in Worte zu fassen. Erst jetzt vermag er es, die schmerzliche Einsamkeit des Überlebens in tief beeindruckender Weise zu vermitteln. Auch für seine Tochter Jessica Durlacher, die erst im Erwachsenenalter von der Vergangenheit des Vaters erfuhr, wird sein Schicksal zum zentralen Thema, mit dem sie sich auch in ihren Romanen auseinandersetzt. Die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Europäischen Verlagsanstalt auch auf Deutsch in Einzelbänden erschienenen Erzählungen hat Jessica Durlacher gesichtet und so zusammengestellt, nicht wie sie geschrieben, sondern wie sie gelebt wurden: von seiner Kindheit in Baden-Baden bis zur Befreiung 1945 sowie die Zeit danach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2024
Ein literarisch wie pädagogisch wertvolles Dokument sieht Rezensent Sascha Feuchert in diesem Buch, das an einen Anschlag auf Juden während eines Maskenballs zum Jahreswechsel 1932/33 erinnert. Der Autor Gerhard Durlacher, damals vier Jahre alt, hat sich später auf die Spuren dieses Ereignisses begeben. Seine Berichte wurden nun von seiner Tochter veröffentlicht, und Feuchert kann das nur begrüßen. Denn hier wird konsequent die Perspektive eines Kindes und später Jugendlichen eingenommen, was die Erinnerungen auch für jüngere Menschen gut nachvollziehbar und aus den, auch literarisch hochwertigen, Zeugnissen, eine sehr gute Schullektüre macht. Auch die Passagen über das Leben nach der Shoah sind ein Gewinn für Feuchert, denn Durlacher zeige, wie sehr alltägliche Abläufe, zum Beispiel Arztbesuche, durch die Traumata des Holocaust geprägt sind.
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