Mit 24 Fotografien von Christian Werner. Früher war Deutschland kleiner, und auch die deutsche Hauptstadt war von deutlich zurückhaltender Anmutung als das sich im eigenen Schmuddelglamour sonnende Berlin. Bonn ist bodenständig, sachlich und vielleicht ein bisschen zu leer. Vieles dort scheint zu groß geraten für das bescheidene Flair. Bonn ist das Museum der jungen Bundesrepublik. Dieses Buch versammelt Erinnerungen an diesen märklinhaften Zaubergarten, und zugleich taucht es ab in die Schattenwelt unter dem Heiligen Hügel. Damals in Bonn: Es gab Telefonapparate, Nachkriegstraumata und eine große starke SPD. Joachim Bessing und Christian Werner porträtieren in Wort und Bild die Schaltzentrale eines versunkenen Lands, seine Vergangenheit, Träume und Aussichten - nostalgisch, wo es angemessen, und bissig, wo es nötig ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.08.2019
Marie Schmidt hält Joachim Bessing schon für einen Autor einer seltenen Spezies, so wie die Relikte der alten Bundesrepublik in dem Band mit den Bonner Fotografien von Christian Werner, den Bessing mit einem Essay ziert. Für Schmidt gehören Bessings kühle Beschreibungskunst und Klarheit schon bald zur vergessenen Generation Golf zwischen 68ern und Millennials. Schön, findet sie, dass Bessing und Bonn hier zusammenfinden und der Autor noch einmal von einer Kindheit in den Siebzigern berichten kann, von Naziopas und gewalttätigen Lehrern, vom blauen Dunst über dem Land, von Helmuts und von einem fernen Osten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.07.2019
Bonn, dieser runde kurze Laut, mit dem einst so gut wie jede "Tagesschau" begann, als Atlantis, als versunkene Stadt einer vielleicht banaleren, aber glücklicheren Zeit. Irgendwie funktioniert das Bändchen für den Rezensenten Arno Orzessek. Es handelt sich um eher persönliche Reminiszenzen des Autors, der einst Teil jenes popkulturellen Quartetts war, das durch den Band "Tristesse Royale" berühmt - ja, "berühmt", sagt Orzessek - wurde. Nun findet sich dieser Bessing also in Bonn wieder und liefert all die Requisiten der guten alten BRD von RAF-Terror über die erste Stereoanlage bis zur Wehrdienstverweigerung. "Nicht bedeutend, aber charmant", findet Orzessek. Gleiches gilt für die Fotos Christian Werners.
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