Herausgegeben von Elsbeth Zylla. Mit einem Essay von Karl Schlögel. Mit Faksimiles und Fotos auf 72 Tafeln. Bei seiner ersten Reise in die Sowjetunion 1962 begegnet Heinrich Böll dem russischen Kollegen Lew Kopelew. Allen politischen Hindernissen zum Trotz freunden die beiden sich an. Zwanzig Jahre lang schicken sie sich unbemerkt von Zensur und Geheimdiensten mithilfe von Mittelsmännern Briefe. Ein Netzwerk von großer und nachhaltiger Wirkungsmacht entsteht. Der Briefwechsel Böll-Kopelew enthält einzigartige Zeugnisse aus einer gar nicht so fernen und doch längst vergangenen Epoche. Die Bonner Republik, die Sowjetdiktatur, der ganze Kosmos des Kalten Kriegs sind hier zum Greifen nah. In ihren Briefen verarbeiten Heinrich Böll und Lew Kopelew ihre traumatischen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen und gemeinsam kämpfen sie gegen politische und literarische Vereinnahmungen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2012
Die Korrespondenz der beiden Weltbürger Lew Kopelew und Heinrich Böll bietet Rezensent Oliver Jungen neben zeitdokumentarisch Bedeutsamem (zwei spitze Federn gegen den Kalten Krieg) und einer Sehnsucht auf höchstem Niveau auch befreiend Alltägliches und Derbes. So notiert Jungen Bölls Gejammer über konservative Medien, hohe Westmieten und, weniger speziell, über die ganze "Nachkriegsscheiße" und Kopelews Ausfälle gegen arschkriechende Kollegen. Sonst, meint er, herrscht Sonnenschein, Kopelew weiß, wie man dem Kollegen Honig um den Bart schmiert. Gerade dies Unglatte gefällt Jungen an dem von Elsbeth Zylla erschlossenen Briefwechsel, der leider 1982 schon endet.
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