Noli me tangere
Roman

Insel Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783458645467
Gebunden, 542 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem philippinischen Spanisch von Annemarie del Cueto-Mörth und mit Nachworten von Lieselotte Kolanoske & Filomeno V.Aguilar Jr. Philippinen, Ende des 19. Jahrhunderts: Der junge, idealistische Ibarra kehrt nach sieben Jahren Studium aus Europa in seine Heimat zurück - voller Erneuerungsdrang für sein Land und im Liebesrausch für die schöne María Clara. Doch seine Hoffnungen werden schnell zerschlagen, denn die von ihm so geliebte Gesellschaft ist zerfressen von Korruption, Unterdrückung und religiösem Dogmatismus. Nicht das philippinische Volk hält die Zügel in der Hand, sondern die spanischen Kolonialherren mitsamt ihrem machtbesessenen katholischen Klerus. Ibarras Vorhaben, eine Schule zu bauen, eskaliert zu einer Spaltung zwischen Kirche, Gouverneuren und dem einfachen Volk, und viel zu spät erkennt er, wie sich seine private Fehde mit dem Gemeindepfarrer in eine infernale Intrige verwandelt. Erst als sich auch María Clara von ihm abwendet, wird Ibarra bewusst, welch mächtigem Gegner er sich gegenübersteht.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2025
Wärmstens empfiehlt Rezensent Andreas Platthaus den 1987 zum ersten Mal auf Deutsch erschienenen, nun neu aufgelegten Roman von José Rizal. Der philippinische Autor und Nationalheld erzählt darin, in "gespenstisch prophetischer" Vorwegnahme seines eigenen Schicksals, von dem nach langem Auslandsaufenthalt auf die spanisch besetzten Philippinen zurückkehrenden Unabhängigkeitsverfechter Don Chrisóstomo Ibarra, der dort als Verräter verfolgt wird, aber dem Tod entrinnen kann - anders als Rizal selbst: er wurde, als Reaktion wiederum auf seinen Roman, 1896 von den Spaniern hingerichtet, fasst Platthaus die bittere Ironie zusammen. Anders als vielleicht zu erwarten, gehe es im Roman auch nicht melodramatisch, sondern rasant sarkastisch zu: "groteske" Dialoge zwischen heuchlerischen Ordensleuten, böse Kommentare über Tote, eine Persiflage auf "Hamlet", fasst Platthaus beeindruckt zusammen - und überhaupt kann er kaum fassen, welchen Rundumschlag durch die gesamte westeuropäische Literatur (verschlungen beim Medizinstudium in Deutschland, Spanien, Frankreich, weiß Platthaus) der mehrsprachige Rizal hier raushaut. Ein literarisch-begnadetes, von Annemarie del Cueto-Mörth toll übersetztes Werk, das seinen Status als Nationalepos und die Aufmerksamkeit auf der Frankfurter Buchmesse mehr als verdient, freut sich der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2025
Die deutsche Neuauflage eines philippinischen Klassikers von 1887 gibt Gelegenheit, ein großartiges Stück Weltliteratur neu zu entdecken und tief einzutauchen in die Geschichte der Philippinen, freut sich Rezensentin Stephanie von Oppen. Und obendrein ist "Noli me tangere" auch noch äußerst unterhaltsam. Mit herrlich "bissiger Ironie" und aus wechselnden Perspektiven beschreibt José Rizal die philippinische Gesellschaft unter spanischer Kolonialherrschaft, in die sein Protagonist nach einem längeren Auslandsaufenthalt zurückkehrt. Seine unerschütterliche Absicht: eine Schule zu gründen und so "den Grundstein" zu legen für bessere, gerechtere Lebensbedingungen für alle. Doch nicht alle heißen ihn und seine Pläne in seiner Heimat willkommen. Kolonialherren und die katholische Kirche kommen ihm in die Quere, genauso wie korrumpierte Einheimische. Rizal erweist sich in diesem Roman für die Rezensentin nicht nur als kluger Beobachter, sondern auch als ein genialer Erzähler. Dieser Erzähler hat einen in seiner revolutionären Kraft zeitlosen Roman geschaffen, schwärmt sie.