"Wie viele Divisionen hat der Papst?" Mit dieser Frage soll Stalin 1935 die vermeintliche Machtlosigkeit des Vatikans verspottet haben. Die Geschichte der letzten 150 Jahre zeigt, dass die Päpste zwar tatsächlich wenig wirtschaftliche oder militärische Macht, aber großen politischen Einfluss haben. Nach dem Verlust des Kirchenstaates im Jahr 1870 wurde die Rolle des Heiligen Stuhls als Vermittler in internationalen Konflikten modelliert. Der Dienst am Weltfrieden wurde so zum zentralen Anliegen der vatikanischen Außenpolitik. In den beiden Weltkriegen kamen humanitäre Aktivitäten hinzu. Seit dem II. Vaticanum setzt sich die vatikanische Diplomatie für Religionsfreiheit und Menschenrechte in der ganzen Welt ein. Johannes Paul II. erweiterte das Spektrum durch die Zusammenarbeit der Weltreligionen um des Weltfriedens willen. Papst Franziskus lenkt die Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels und der Migration.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2022
Mit Interesse liest Rezensent Simon Unger-Alvi diese Geschichte vatikanischer Diplomatie des Augsburger Kirchenhistorikers Jörg Ernesti. Dass Ernesti keinen kritischen Blick von außen auf den Vatikan wirft, wird dem Rezensenten schnell klar, aber er lernt dennoch eine ganze Menge: Wie sich etwa mit dem Ende des Kirchenstaats das Selbstverständnis des Vatikans in der Weltpolitik änderte, dass bis zu Johannes Paul II. nur Kirchenmänner Papst wurden, die eine diplomatische Ausbildung genossen hatten und wie sich der Vatikanstaat vom Heiligen Stuhl als nichtstaatlichem Völkerrechtssubjekt unterscheidet. Ernesti blickt in seinem geschichtlichen Abriss vor allem auf die großen Linien, 150 Jahre müssen schnell erzählt werden. Für Brüche, Widersprüche und Nuancen bleibt wenig Raum, wie der Rezensent mit Blick auf die Haltung des Vatikans zu Kolonialismus oder Demokratie bemerkt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2022
Rezensent René Schlott liest die Geschichte der päpstlichen Außenpolitik in der Hoffnung, der Papst könne auch im aktuellen Ukraine-Krieg vermitteln und einen Frieden bewirken. Ernesti veranschaulicht die lange Tradition der politischen Friedensbestrebungen, ohne dabei die Schattenseiten zu verschweigen, lobt der Rezensent. Indem Ernesti beispielweise die erfolgreichen Verhandlungen der Päpste zwischen den Akteuren der Kubakrise erläutert oder auch das vergebliche Appellieren für eine gewaltfreie Lösung in den Golfkriegen, veranschaulicht er "eindrucksvoll", dass die Päpste gewissermaßen "Experten für aussichtslose Unterfangen" sind, meint der Rezensent. Deshalb hält Schlott auch im Ukraine-Krieg die Vermittlung des Vatikans nicht für "völlig aussichtslos", wie er vorsichtig formuliert.
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