Jörg Magenau

Die Kunst der Zustimmung

Fast alles über Martin Walser
Cover: Die Kunst der Zustimmung
Edition Isele, Eggingen 2025
ISBN 9783861426738
Gebunden, 256 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Martin Walser ist der Autor, der Jörg Magenau am längsten, ja fast sein ganzes Leben lang begleitet hat. Noch als Schüler in Ludwigsburg stieß er auf ihn, Jahrzehnte später moderierte er viele seiner Lesungen, fuhr zusammen mit Walser im Zug, kehrte mit ihm in Bahnhofslokalen ein und traf sich mit dem Großschriftsteller in Hotelfoyers. Oft genug erlebte er Walser nach Lesungen im Restaurant am großen Tisch mit Verlagsleuten, jungen Freundinnen, alten Freunden und Bekannten, wie er glänzte, sich befeuerte, erzählte, sich aufregte, auf den Tisch schlug, wie er am meisten von allen trank und irgendwann nach Mitternacht, wenn keine anderen Gäste mehr da waren, den Kellner überredete, doch endlich am Tisch rauchen zu dürfen. Und weil er Martin Walser war, durfte er das und tat es genüsslich. Der vorliegende Band versammelt Texte über Walser aus mehr als dreißig Jahren. Das ist viel und doch zu wenig, weil es nur das letzte Drittel seines langen Lebens umfasst. Diese Texte sind in der Summe so etwas wie ein Gegenstück und die Ergänzung zur Biografie, die Jörg Magenau über Walser vorgelegt hat. Damals sagte Walser nach der Lektüre: "Das ist großartig, aber das bin nicht ich." Er meinte damit, dass Jörg Magenau eher ein Bild seines äußeren, politischen Werdegangs als Intellektueller gezeichnet hatte, als ihn von innen heraus zu erfassen. Vielleicht gelingt es mit dem vorliegenden Buch, das damals Versäumte nachzuholen und mit dem Blick auf die Literatur den "inneren Menschen" deutlicher werden zu lassen. Über niemanden hat Jörg Magenau öfter geschrieben als über Martin Walser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2025

So ganz ist es dem Literaturkritiker Jörg Magenau mit diesem Buch noch nicht gelungen, sie  wieder für Martin Walser zu begeistern, meint Magenaus Kollegin Susanne Klingenstein. Der Band versammelt alle Texte Magenaus zu Walser, darunter längere Essays zu Walsers Sprache, dem schwierigen Verhältnis des Autors zur Kritik sowie der Walserschen Heimatthematik, daneben stehen kürzere Beiträge zu Walsers Romanen und Skandalen. Magenaus Text zu Walsers Sprachverständnis hebt die Kritikerin allerdings hervor: Hier folgt sie interessiert Walsers Gedanken zu einer "Kritik als Zustimmung", die auf einer Aversion gegen genuin kritische Kritik basiert, was im legendären Streit mit Marcel Reich-Ranicki gipfelte. Klingenstein scheint dem unbedingten Primat der Liebe, das Walser laut Magenau von seinen Lesern einfordert, dennoch auch skeptisch gegenüber zu stehen. Zudem behagt ihr nicht, dass Magenau hier doch oft sehr liebevoll über Walser schreibt. Zumindest hat sie nach hundert Seiten genug von dem Buch und hofft darauf, dass bald mehr Substanzielles über den Autor erscheint.

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