Herausgegeben von Johannes Hürter. Ostfront 1941. Die deutschen Truppen rücken nach dem Überfall auf die Sowjetunion in Richtung Moskau vor. Während die Wehrmacht mit beispielloser Härte die Vernichtung der Roten Armee betreibt, setzt unter den Augen der Truppenkommandeure - nicht selten mit Beteiligung deutscher Soldaten - die von Hitler propagierte "Eroberung deutschen Lebensraumes im Osten" ein. Ein ungeschminktes Bild des Geschehens zeichnen die Tagebucheinträge und Privatbriefe des deutschen Generals Gotthard Heinrici. Der ranghohe Truppenbefehlshaber schildert mit ungewöhnlicher Offenheit den Kriegsalltag der einfachen Frontsoldaten, berichtet von den zunehmenden Zweifeln der Generalität an Hitlers Feldzugstrategie, aber auch von der Verstrickung der Wehrmacht in Kriegsverbrechen und Holocaust.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2002
Einen authentischen Einblick in die Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs gewähren laut Rezensent Christoph Jahr die "umsichtig editierten" Briefe des General Heinrici, dessen Ressentiments gegen die slawischen Nachbarvölker ebenso typisch für die "militärische Elite des Dritten Reiches" seien wie der latente Antisemitismus. Die beobachteten Kriegsverbrechen an den Sowjetsoldaten und der Zivilbevölkerung verursachten bei Heinrici ebenso wenig emotionale Anteilnahme wie das Elend der ghettoisierten polnischen Juden, schreibt Jahr, der in diesem stumpfen Soldatentum eine Voraussetzung sieht, ohne die Kriegsverbrechen und Völkermord nicht möglich wären.
Als repräsentatives Abbild seiner Zeit und seiner Generation empfindet Volker Ullrich diese Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des Wehrmachtsgenerals Gotthard Heinrici, der am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt war. Deshalb erlaubt dieser Einblick in das Denken des Generals, das von Antisemitismus, Antislawismus und Antisozialismus bestimmt wird und nach Ansicht von Ullrich Rückschlüsse zulässt auf "die Mentalitäten und Dispositionen der deutschen Militärelite". Diese waren nach Meinung des Rezensenten mitverantwortlich für die Art und Weise, wie der Vernichtungskrieg im Osten geführt wurde. Deshalb findet Ullrich diese Einblicke sehr interessant und betont, man solle sich in der Forschung auch weiterhin stark mit der Generalität befassen.
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