Eine scharfe Polemik gegen eine deutsche "Normalität", die alles andere als normal ist: In seiner "Krankheitsgeschichte" Deutschlands vom 13. Jahrhundert bis heute führt Johannes Willms vor, daß gerade das deutsche Bedürfnis nach Normalität den Ursprung der "deutschen Krankheit" ausmacht: der tiefverwurzelten Angst vor und der Ablehnung gegen alles Fremde. Eine Geschichte der deutschen Mentalität, die viele bekannte Phänomene der Gegenwart auf neue Weise begreiflich macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.02.2002
Lob und Tadel für Johannes Willms "mentalitätsgeschichtliche Analyse" gibt's von Rezensentin Angela Gutzeit. Wie der Autor zum Beispiel die Veränderungen im Selbstverständnis des Kleinbürgertums seit dem 19. Jahrhundert beschreibt, dass ist nicht nur "packend" geschrieben, sondern auch "argumentativ auf hohem Niveau", findet Gutzeit. Willms Untersuchung der "ostdeutschen Verhältnisse" hingegen scheint ihr nur teilweise schlüssig und gelegentlich "undifferenziert". Außerdem ist ihr das Fazit zu mager - dass die Globalisierung die 'deutsche Krankheit' heilen könnte, ist "nicht mehr als eine Phrase", bedauert die Rezensentin.
Einen "skeptischen Beobachter des Heute" nennt Wilhelm von Sternburg den Autor. Und wenn der in seinem Essay auch "nichts wirklich Neues" zu berichten weiß, wie es in der Besprechung heißt, so zollt der Rezensent doch einem Mut Respekt, der "in diesen Zeiten der Anpassung ... von der selbst verschuldeten Unmündigkeit" spricht. Angetan zeigt sich Sternburg auch von der lakonischen und interessanten Art, mit der der Autor "die deutsche Krankheit" als die "Herrschaft des unbesiegbaren Kleinbürgertums" entlarvt. Von gelegentlichen "überflüssigen Details" abgesehen, findet es Sternburg "hübsch zu lesen", dass der "kleine Mann" nicht nur Opfer, "sondern in erheblichem Maße auch Täter" ist.
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