Übersetzt von Iain Galbraith. John Burnside ist nicht nur Romanautor, sondern gilt auch als eienr der bedeutendsten schottischen Dichter der Gegenwart. Burnsides Lyrik handelt von einfachen Ereignissen: eine Hafenszene, eine Zugfahrt, Tiere, die durch das Licht der Scheinwerfer huschen. Seine Betrachtungen der Natur - seien es Wasserlandschaften in Schottland oder der Gesang einer Amsel - sind Fragen nach dem Rätsel des Seins, gestellt in unaufdringlichem Ton.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2011
Mit einem Fabelwesen, das halb der einen, halb der anderen Spezies angehört, vergleicht Rezensent Nico Bleutge den schottischen Dichter John Burnside. Die Gratwanderung zwischen den Sphären, zwischen Tag und Nacht, Leben und Tod, Leere und Erfüllung sei ein Kernmotiv seines Denkens und Schreibens. So handelten Burnsides Verse beispielsweise vom Erwachen im Morgengrauen, wo sich "Wahrnehmungen zu kleinen Epiphanien verdichten". Im Hintergrund aber glaubt der Rezensent stets die Präsenz der schottischen Küstenlandschaft auszumachen, in der Burnside mit seiner Familie beheimatet ist, wie Bleutge informiert. Die Übersetzung stößt allerdings auf Missfallen: Ungenauigkeit in der Syntax sowie eine dem Original bisweilen unangemessen blumige Sprache sind hier Stein des Anstoßes. Letztlich kann der Rezensent jedoch darüber hinwegsehen, weil die Ausgabe zweisprachig daherkommt und so stets den Blick auf die Originalverse ermöglicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2011
Spät erst und vor allem dank seiner Romane und seiner Autobiografie wurde in den letzten Jahren der Schotte John Burnside auch in Deutschland als einer der ganz großen Autoren der angelsächsischen Gegenwartsliteratur anerkannt. Als Folge des Ruhms gibt es nun zur Freude des Rezensenten Tobias Döring erstmals auch Einblicke in seine Arbeit als Lyriker. Der Band ist ein Konzentrat aus zehn Bänden, die in den vergangenen zwanzig Jahren veröffentlicht worden sind. Nah an der Natur bewegen sich diese Texte, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten werde klar: Idyllisch ist hier in Wahrheit recht wenig, stets lauert Unheimliches hinter den beschriebenen Dingen. Und auch der poeta doctus versteckt sich nie, in letzter Instanz leugne Burnside den sprachlichen Charakter der Texte nicht. Lob gibt es auch für den Übersetzer Iain Galbraith, dem Döring einen Eigensinn attestiert, der sich in seinen Ergebnissen meist als gerechtfertigt erweise.
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