Don Isidro, der Detektiv, hat mit einem ungewöhnlichen Handicap zu kämpfen: Er sitzt selbst unschuldig im Gefängnis, und um seine Fälle zu lösen, ist er ausschließlich auf seinen Verstand angewiesen. Literaturnobelpreisträger Jorge Luis Borges und Adolfo Bioy Casares schrieben gemeinsam Parodien, Travestien und Satiren wie diese. In ihren Geschichten gelingt es den aus Buenos Aires stammenden Schriftstellern auf brillante Art, Spannung zu erzeugen und das Genre der Detektivgeschichte zu einem intellektuellen Vergnügen zu machen - weit über die Grenzen von Argentinien hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2009
Jorge Luis Borges und sein Schüler Adolfo Bioy Casares haben sich eine Zeitlang zusammengetan, um gemeinsam Kriminalerzählungen zu schreiben. Den Literaturkritiker Rodriguez Monegal veranlasste das 1968 schon, von einer ganz eigenen Autoren-Persona "Biorges" zu sprechen. Nicht verkehrt findet Rezensent Leopold Federmair das nach Lektüre dieses Bandes, allerdings muss, stellt er fest, manches unklar bleiben. Zum Beispiel die Frage, wie ernsthaft die beiden das Spiel mit dem Genre betrieben. Deutet doch schon der Name des stets nur per Zuhören die Fälle lösenden Ermittlers Don Parodi auf Ironisierungs-Absichten hin. Schließen darf man aus Federmairs Besprechung: Es wird sich jeder, der sich für Borges oder Casares interessiert, auch für den anti-klassizistischen Biorges interessieren müssen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2009
Florian Kessler traut dem Genre der Detektivgeschichte zwar nicht viel "Innovationsgeist" zu, ist doch ihre gewöhnliche Intention eine Wiederherstellung einer wie auch immer gearteten Ordnung. Bei Jorges Luis Borges' und Adolfo Bioy Casares' unter dem Namen Bustos Domecq gemeinschaftlich erschaffenen Detektiverzählungen ist er aber geneigt, eine Ausnahme zu machen, ja, er bejubelt sie geradezu als "Glücksfall" der Kriminalliteratur. Ihr Ermittler Isidro Parodi sitzt für ein Vierteljahrhundert unschuldig im Gefängnis, und die Verbrechen, die er währenddessen untersucht, enthüllen sich ihm ausschließlich durch die Erzählungen seiner Besucher, erklärt der Rezensent. Als die "Tatorte" erweisen sich die verräterischen Sprechweisen der Besucher Parodis, seien es der antisemitische Fingermann oder der Indianist Frogman, der sich als Indio-Hasser entlarvt, so Kessler weiter. Da sich die Infamie der Geschehnisse, die der inhaftierte Detektiv ermittelt, allein aus den bösen, verdorbenen Reden der Gefängnisbesucher herauskristallisiert, ist auch der bewährte Borges-Übersetzer und Herausgeber Gisbert Haef sehr gefordert, meint der Rezensent, der mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist.
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