Joschka Fischer, Außenminister außer Dienst und langjähriger Spitzenpolitiker der Grünen, hat sich im vergangenen Sommer mit Fritz Stern, dem amerikanischen Historiker deutscher Herkunft und Friedenspreisträger, im Wissenschaftskolleg zu Berlin getroffen, um über die Erfahrungen der Vergangenheit und die Herausforderungen der Gegenwart zu reden. Ob es dabei um die Finanzkrise und die Europäische Union am Scheideweg geht, um den Ersten Weltkrieg und den misslungenen Frieden von Versailles, um ein heikles Thema wie Israel, die Rolle der Deutschen im Nahost-Konflikt (und das Grass-Gedicht), um die Zukunft der USA und den Aufstieg Chinas - stets geht es lebhaft und konkret zu in diesem Dialog zwischen zwei Männern, die jeder auf seine Weise mehr als einmal im Leben gegen den Strom geschwommen sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2013
Gregor Schöllgen möchte Joschka Fischer am liebsten umhalsen. Wie Fischer im Gespräch mit Fritz Stern "knapp und korrekt" auf die Nachruf-Affäre zurückblickt, sich reuig als Steinewerfer betrachtet und deutsche Geschichte direkt, frei und für Schöllgen weitgehend nachvollziehbar schildert, lässt das Rezensentenherz für Fischers Redlichkeit schlagen. Das bisschen Koketterie dann und wann oder Fischers dynamische Dominanz im Gespräch mit dem stets abwägenden Gelehrten kann Schöllgen verkraften. Das Buch offeriert ihm ein lesenswertes Geschichtspanorama, witzige Einblicke in die Kindheit und Weltsicht der beiden so ungleichen, doch für Schöllgen hier gut harmonierenden Gesprächspartner.
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