Joschka Fischer

Mein langer Lauf zu mir selbst

Cover: Mein langer Lauf zu mir selbst
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 1999
ISBN 9783462027945
gebunden, 176 Seiten, 15,29 EUR

Klappentext

Joschka Fischer verlor innerhalb eines Jahres fast 40 kg Körpergewicht und wurde Deutschlands bekanntester Marathon-Mann. Was waren seine Motive für die radikale Veränderung seines Lebens? Wie hat er seine Ernährung umgestellt? Wie und nach welchen Ratschlägen hat er sein Lauftraining aufgebaut? Welche mentalen Veränderungen gingen damit einher? Was bedeutet dies für den Lebensrhythmus eines vielbeschäftigten und engagierten Politikers? Joschka Fischer schildert die Geschichte einer Persönlichkeitstransformation.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2000

In einer hübsch boshaften Kritik weist Iris Hanika die Vermutung von sich, Fischers Buch über den "Aufstieg seines Körpers in die Internationale Fitneßgemeinde" sei irgendwie ermutigend für die Dicken Deutschlands: Fischer, der bei seinem Einzug in den Bundestag noch 75 Kilo wog, später 35 Kilo zunahm, "war in Wirklichkeit kein Dicker, sondern ein mit Fett behängter Dünner." Fischer behauptet, dass Fett sei ein "Panzer" gewesen, den er mit seiner Diät abgelegt hat, erzählt Hanika. Sie selbst sieht das genau umgekehrt: Mit der Diät habe Fischer seinen Panzer vom Fett befreit. Hanika zitiert mit Vergnügen eine Reihe von Platitüden und kritisiert die ständige Verwendung des Wörtchens "selbst". Eigenartig, dass man von diesem Selbst dann gar nichts erfährt, meint sie, ist dann aber doch ganz dankbar, dass Fischer wenigstens nicht in Exhibitionismus verfallen ist. Sein Buch beschränke sich im Grunde auf Empfehlungen wie sie auch in der "Brigitte" stehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999

Andreas Platthaus bespricht das Buch in einer einigermaßen überraschenden Kombination zusammen mit Günther Abels philosopischem Traktat "Sprache, Zeichen, Interpretation". Irgendwie hat man dabei das Gefühl, dass er sich über beide Bücher sanft mokieren will. Das Problem ist dabei, dass man weder beim einen noch beim anderen so recht erfährt, wovon sie handeln.
1) Joschka Fischer: "Mein langer Lauf zu mir selbst"
Fischer beschreibt in dem Buch, wie er sich durch Langlauf von 112 auf 77 Kilo reduzierte, und Platthaus warnt, dass das Buch kaum zum Ratgeber tauge, "denn weder die Konsequenz noch die auslösende Krisis kann simuliert werden".
2) Günter Abel: "Sprache Zeichen, Interpretation" (Suhrkamp Verlag)
Da geht`s also um eine Lehre der Handlung, der Zeichen und der Interpretation, die Platthaus nicht immer ganz überzeugend an Fischers Erzählungen misst. Etwas komisch wirkt natürlich im Kontrast Abels abstrakte Prosa, die Platthaus mit Genuss zitiert: "In Bezug auf die internen Regularitäten einer funktionierenden und gut eingespielten Interpretations-Praxis sind die Grenzen der Dezision sowie der Optierbarkeit schnell erreicht." Eines haben Fischer und Abel also offensichtlich gemeinsam: Da fehlt das Fleisch.
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