Joshua Cohen

Aufzeichnungen aus der Höhle

Essays
Cover: Aufzeichnungen aus der Höhle
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783895611254
Gebunden, 320 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben, aus dem Englischen und mit einem Vorwort von Jan Wilm. Wenn Joshua Cohen sich unsere Gegenwart vorknöpft, geht er dahin, wo es wehtut, und setzt sich auf ganz eigene Weise beispielsweise mit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober auseinander. Innerhalb der USA begibt er sich an ungewöhnliche Orte, etwa zur letzten Vorführung des Ringling Bros. and Barnum & Baily Circus. Oder er stöbert Donald Trump in den Casinos von Cohens Geburtsort Atlantic City auf und entlarvt ihn als Inbegriff des in der amerikanischen Literatur notorischen Tricksters. Seine Erkenntnisse über amerikanische und internationale Politik gewinnt er mal in einer Bar auf Staten Island, mal zu Besuch bei Netanjahus vermasseltem Staatsgründungs-Jubiläum, mal reicht er dem inhaftierten Dissidenten Liu Xiaobo die Hand. Der Pulitzerpreisträger schreibt aber natürlich auch über Bücher und setzt sich als obsessiver Leser mit Werken von Bohumil Hrabal, Franz Kafka, Eimear McBride, Georges Perec, Thomas Pynchon, Gregor von Rezzori und Philip Roth auseinander.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024

Rezensent Jan Wiele attestiert Joshua Cohen eine besondere Hellsichtigkeit, die seinen hier versammelten Essays insbesondere über Trump innewohnt. So hat er ihn schon 2017 mit einem Zirkusdirektor verglichen, das Oval Office wird dabei zur Manege, in der die waghalsigsten Kunststücke vollzogen werden. Auch auf literarischer Ebene schafft es Cohen, Kunststücke einzuflechten, wenn der Reportageanteil des Textes mit moralischen Überlegungen verknüpft wird. Nicht jeder sprachliche Sprung ist gleich nachvollziehbar, räumt Wiele ein, aber es lohnt sich dranzubleiben, etwa, wenn im Rahmen von Corona überlegt wird, ob nicht die Sprache an sich etwas Virenhaftes hat. Die "beißende Ironie" verschwindet auch nach dem 07. Oktober 2023 nicht aus den Texten, auch wenn es drastisch wird und um Enthauptungen geht, erfahren wir. Zuletzt wird uns noch Atlantic City als Versinnbildlichung des Trump-Systems vorgestellt, in dem es vor allem darum geht, die Leute beim Glücksspiel über den Tisch zu ziehen - Essays, die etwas Romanhaftes an sich haben, wie Wiele nach der Lektüre des Vorworts von Jan Wilm zustimmt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.10.2024

Die Essays von Joshua Cohen sind genauso gut wie seine Romane, befindet Rezensent Maximilian Mengeringhaus: So "leidenschaftlich wie komplex" geht es bei Cohen etwa um Philip Roth, dessen Biograf Leben und Kunst verwechselt und der Öffentlichkeit ein zweifelhaftes Bild seines Auftraggebers hinterlassen habe. Aber neben Schriftstellern wie Kafka, Perec oder Hrabal gibt es auch Essays über Politik, die dem Kritiker nicht weniger gut gefallen, weil sich ihm hier Cohens "untrügliches Gegenwartsgespür" offenbart, dass schon früh Donald Trump als "Hanswurst mit Zuckerwattefrisur" ausmacht. Auch Cohens "bildgewaltiger Spott" imponiert dem Kritiker. Als Leser der Kritik kann man allerdings nur hoffen, dass Cohen etwas weniger herablassend auf Menschen außerhalb seines Milieus schaut - wie Trump-Wähler - als der Rezensent.

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