Jovana Reisinger

PLEASURE

Schlafen, Essen, Mode
Cover: PLEASURE
Park X Ullstein, Berlin 2024
ISBN 9783988160140
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Was macht eigentlich das Unterschichtskind auf dem Roten Teppich?", fragt eine Besucherin auf dem Münchner Filmfest in meine Richtung. Ja, was macht sie da? Sie ist auf einer Mission. Die Tussi suggeriert durch ihre Erscheinung ein grenzüberschreitendes Begehren. Es geht um Kitsch, Glamour, Trash, es geht um Camp. Es geht um Körper, Identitäten. Es geht um Strass, um Klasse und um künstliche Fingernägel. PLEASURE ist eine Tour de Force durch die Luxus-Triade Schlaf (meterlange Hotelbett-Laken!), Nahrung (Schlemmermaus!) und Kleidung (Dior, aber fake!). Anhand von Anekdoten aus der Kunstwelt stellt Jovana Reisinger die verdeckten Normen eines vermeintlich liberalen Milieus, bricht eine Lanze für den Kitsch, für die Völlerei und das Rumliegen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2025

Rezensent Carlo Mariani empfiehlt das fünfte Buch der Künstlerin und Influencerin Jovana Reisinger als Provokation und Manifest für Glam und Kitsch. Das gelingt der Autorin überzeugend, findet Mariani, weil das Oberflächliche Reibung erzeugt und Fragen nach Konformität und Dekonstruktion aufwirft. Die Anekdoten- und Alltagsgeschichtensammlung gibt Einblick in die deutsche Partyszene, so Mariani, die Sprache ist "zackig", zugleich locker. Ob es sich um ein feministisches Buch handelt, um echte Subversion, darüber muss Mariani noch nachdenken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.11.2024

Alles ein bisschen drüber, so lautet das Urteil von Rezensentin Sarah Pines über Jovana Reisingers neues Buch, das sich vor allem der "Fotzigkeit" widmet und in schriller Weise von Diversität bis Klassenfrage alle großen Themen abarbeitet. Aufhänger ist ein Moment auf dem roten Teppich, auf dem Reisinger aufgrund ihres Outfits für eine Prostituierte gehalten wird - für sie ein Zeichen, dass die anderen einfach nicht genügend "coole Tussigkeit" haben, um das Selbstermächtigende und Subversive darin zu sehen, so Pines. Die Anklänge an Susan Sontags "Camp" lassen sie daran denken, dass bei Sontag die Erkenntnis und die Begegnung mit dem Genuss im Vordergrund standen, während es Reisinger nur um eine Begegnung mit sich selbst zu gehen scheint. Schade, meint die Kritikerin, über die These, dass Genuss zu Unrecht "mit schlechtem Gewissen behaftet" ist, hätte sie gern mehr erfahren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.10.2024

Ein Rosa "wie aus der Bonbon-Tüte" trägt die Autorin, die Rezensentin Beate Scheder zum Interview getroffen hat. Das passt perfekt zu ihrem neuen Roman, den die Kritikerin durchaus schätzt, weil er den versteckten "Klassismus" der Gesellschaft auf intelligente Weise offenbart. Die Missbilligung der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber Genussformen, die oft als "anmaßend, vulgär oder unkritisch" wahrgenommen werden, zum Beispiel ein "aufsehenerregender Kleidungsstil", ausgiebiges Essen oder (Aus-)Schlafen, entlarvt Reisinger als snobistische Verkörperung des neoliberalen Leistungsgedankens. Politischer gehe es kaum! Jovana Reisinger verbindet ihren eigenen Werdegang mit einer Kritik an der Korrektheitskultur des liberalen Milleus, klärt Scheder auf. So ist dieses Buch eine Verteidigung des Oberflächlichen, ein "Manifest für den Glamour, Kitsch und Lust", wodurch sie Themen wie Distinktion und Selbstdarstellung verhandele, und Scheder schätzt Reisingers zwar ausschweifende, aber dennoch gut und schnell lesbare Prosa. Immer trifft die Autorin den Punkt, wo es am meisten wehtut und hält sich fern von Euphemismen, schließt die Rezensentin begeistert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024

Als Roman hätte das, was Jovana Reisinger hier fabriziert, Rezensentin Marlene Knobloch womöglich gemundet, in der vorliegenden Form kann sie wenig damit anfangen. Reisinger liefert laut Knoblochs Beschreibung ein Manifest ab, das, ausgehend von der Aufstiegsgeschichte der Autorin vom Dorfmädchen zum It-Girl, dem Glamour und der Genusssucht huldigt. Wenig trennscharf wird dabei auf die High Society geschimpft, die Reisinger den Weg nach oben schwer gemacht hat, die Autorin überschätzt das Modebewusstsein von Künstlern und giert nach Handtaschen, an die eh niemand rankommt, mokiert sich Knobloch, die auch mit der Forderung der Autorin nach einer Reichensteuer nichts anfangen kann. Es macht durchaus Spaß, über die Glamourwelt voller Luxus, Dating und Sex zu lesen, in der sich Reisinger bewegt, gesteht Knobloch ein, aber ein eigenständige intellektuelle Perspektive entwickelt dieser mit wenig hilfreichen Verweisen unter anderem auf Eva Illouz angereicherte, überlange Essay nicht. Letztlich wird hier ein Lebensstil gefeiert, den sich außer der Autorin eh kaum jemand leisten kann, und so etwas möchte Knobloch zumindest in Manifestform nicht lesen.

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