Aus dem Spanischen von Birgitt Kollmann. Mit Büchern kann der 13-jährige Juan wenig anfangen, bis er die Sommerferien bei seinem buchvernarrten Onkel Tito verbringt. Der lebt in einer gigantischen Bibliothek und er hat gleich einen Auftrag für Juan: Er soll das wilde Buch finden, ein rebellisches Buch, das sich dem Gelesenwerden widersetzt und lange von niemandem gefunden werden konnte. Juan lässt sich auf das Abenteuer ein. Zwischen sonderbaren Buchtypen entdeckt er die tollsten Geschichten, nur das wilde Buch nicht. Erst als er seine erste Liebe, die Apothekerstochter, von der Magie der Bücher überzeugt und eine Verbindung zum echten Leben herstellt, offenbart es sich.
Rezensent Marc Reichwein singt ein Loblied auf die romanischen Bibliotheksromane: Da gibt es Jorge Luis Borges und Umberto Eco, während es in Deutschland nur Erich Kästner und Walter Moers gibt. Und so ist ist auch Juan Villoro mit seinem magisch-realistischen Roman über einen Jungen, der in den Sommerferien ganz und gar in den Bann einer rätselhaften Bibliothek gezogen wird, ein toller Bibliotheksroman gelungen: Ein echtes "Borges-Abenteuer für Heranwachsende", schwärmt der Kritiker. Bücher entwickeln hier ein Eigenleben, der Junge spürt ihnen detektivisch nach, worin Reichwein auch eine Hommage an Ecos "Name der Rose" erkennt. Nicht zuletzt ist dieser Roman über die Lesesozialisation eines Jugendlichen auch eine schöne Einführung in die Rezeptionsästhetik, meint der Rezensent: Allmählich erkennt der Junge, dass ein Buch erst in der individuellen Lektüre seine eigentliche Gestalt entwickelt und auf das Leben auf geradezu magische Weise wirken kann.
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