Judith Sevinç Basad empört sich - und stemmt sich vehement gegen die sich aufgeklärt wähnende Meinungsmache, gegen Denkverbote und Unschärfen in den Argumenten einer selbsternannten kulturellen Elite. Ist es denn, genau betrachtet, wirklich so, dass die "Privilegierten" den sozialen Aufstieg von Migrantenkindern verhindern? Kann nur eine Frau wissen, wie man Politik für Frauen macht? Ist "MeToo" eine durchgängig lautere Bewegung? Ist es im Kampf gegen Rassismus mit der Entmachtung des "alten weißen Mannes" getan? Tatsächlich wird es fast schon modisch, dass man Andersdenkenden ein "Schäm dich" zuruft und ihnen damit den Mund verbietet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2021
Für den Rezensenten Jörg Thomann schießt Judith Sevinc Basad mit ihrem Buch übers Ziel hinaus. Die Vorsicht gegenüber einem über die Stränge schlagenden identitätspolitischen Aktivismus, wie sie die Autorin predigt, scheint dem Rezensenten längst im Mainstream angekommen. Offene Türen rennt die Autorin also ein, meint er. Laut Thomann bläst sie das Problem sogar mitunter unverhältnismäßig auf, so wenn sie eigentlich harmlose ZDF-Beiträge kritisiert. Dass die Autorin die Realität ihrer Agenda anpasst, gefällt Thomann nicht. Der nächste James Bond wird mitnichten von einer schwarzen Frau gespielt, wie es im Buch heißt, stellt der Rezensent richtig.
Was Rezensentin Simone Schmollack von Judith Sevinç Basads neuem Buch "Schäm dich" wirklich hält, wird nicht sofort deutlich. Die Buchautorin und Mitbegründerin der Initiative Liberaler Feminismus geißelt in ihrer Streitschrift den emotional aufgeladenen Diskurs über Diskriminierung, Identitätspolitik und Rassismus, wie Schmollack recht sachlich referiert. Dabei gehe Basad scharf mit "woken" Autorinnen und Autoren wie Robin DiAngelo, Tupoka Ogette und Alice Hasters ins Gericht, auch mit KolumnistInnen der taz wie Hengameh Yaghoobifarah, Sibel Schick und Mohamed Amjahid. Schmollack räumt zwar ein, dass Basad nicht unbedingt besonders tiefgründig vorgehe und auch "keine neuen Denkräume" erschließe, aber sie nimmt doch dankbar auf, dass Basad manch hanebüchenen Aussagen widerlegt und darauf pocht, dass auch die Aggressivität gegenüber dem alten weißen Mann einem Miteinander nicht unbedingt zuträglich ist.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…