Hannes Stein

Der Weltreporter

Ein Roman in zwölf Reisen
Cover: Der Weltreporter
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2021
ISBN 9783869712352
Gebunden, 352 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Nein, eigentlich wollte sich Julia Bacharach gerade gar nicht verlieben. Nicht in einer fast leeren Hotelbar in diesen Umständen (draußen ist gerade Lockdown und wegen einer Epidemie kommen nur die wenigen herein, die immun sind) und erst recht nicht in einen Typen wie Bodo von Unruh. Aber sie ist unvoreingenommen und neugierig und er reist für ein Magazin um die ganze Welt und recherchiert Geschichten, die bewusstseinserweiternder wirken als die besten Drogen - z.B. zu einem sagenumwobenen, mit völlig neuartigen Geschmackssensationen aufwartenden Restaurant, in das man nur auf Einladung kommt - und nachdem man vertraglich versichert hat, blind den Anweisungen des Personals zu folgen, egal was passiert. Über eine jahrzehntelang vergessen Stadt in Sibirien, die rein kybernetisch gesteuert wird, und in der ausschließlich die für das Gemeinwohl besten Entscheidungen getroffen werden. Über Nachfahren der Münchner Räterepublik, die ihre anarchistischen Ideale im brasilianischen Dschungel leben und und und. Mit der Zeit bemerkt Julia, dass mit Bodo irgendetwas nicht stimmt. Durch seine grandiosen Geschichten gelingt es ihm aber immer wieder, sie in seinen Bann zu ziehen. E

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.05.2021

Laut Rezensentin Julia Hubernagel wäre es dem Buch von Hannes Stein gut bekommen, hätte sich der Autor für ein Genre entschieden, anstatt Roman, Essay, Reportage, Fantastik und Märchen miteinander zu kreuzen. So aber werden die Reisen des Münchausen-Reporters im Text für die Rezensentin schnell zur anstrengenden Pflichtübung, zumal der "großspurige" Erzähler ein rabenschwarzes Frauenbild an den Tag lege, und der Autor sich allzu ausgiebig mit Altmännerfantasien befasst. Auch sprachlich wirkt das Ganze auf Hubernagel vorgestrig.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.05.2021

Rezensent Frank Meyer scheint sich gut unterhalten zu haben mit diesem Roman, der im wesentlichen aus zwölf Reportagen des Magazinjournalisten Bodo von Unruh besteht. Zusammengehalten werden die Teile durch eine Liebesgeschichte, die ins Wanken gerät, als der Frau Zweifel an der Wahrheit der Reportagen kommen, lesen wir. Die führen allerdings auch oft ins Phantastische: zu einer Stadt Utopia in Sibirien oder einer Münchner Rätemonarchie im Amazonas-Dschungel, erzählt der amüsierte Kritiker. Das Perfide daran ist, dass man die Unwahrscheinlichkeit leicht übersehen kann, wenn die Geschichten nur die eigenen Erwartungen erfüllen, erklärt Meyer, der hier etwas über die Macht der Verführung durch eine gute Story lernt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.02.2021

Mit ausführlichen Zitaten bestückt Jan Drees seine Besprechung dieses Reise- und Episodenromans. Dem Kritiker hat es gefallen, wie der Autor  eine ausgedachte Pandemie im Hintergrund wetterleuchten lässt, seinen Reporter aber dennoch auf höchst fantastische Reisen schickt, wo alle anderen zu Hause bleiben müssen. Da ist viel Erfindung und Schwadronieren im Spiel, immer wieder wird es politisch inkorrekt, was dem Kritiker gefällt. Und auch die Hauptfigur des Mannes als verführerischen Erzähler, der den Zusammenhang seiner Geschichten und seines Begehrens ausstellt, lobt der Kritiker als "märchenhaft und leidenschaftlich" und weist geflissentlich auf das Dekameron als Vorbild.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.01.2021

Rezensent Thilo Adam ist beeindruckt von diesem Roman des Welt-Korrespondenten Hannes Stein. Er führt uns in ein Amerika der nahen Zukunft, jedoch spielt ein schon für heutige Verhältnisse etwas altmodischer Reporter die Hauptrolle, lesen wir. Der erzählt die unwahrscheinlichsten Geschichten, darunter eine über einen Indianerstamm, der als einziger den 45. Präsidenten der USA (Ähnlichkeiten mit Trump scheinen nicht zufällig) noch in Ehren hält, während ihn der Rest der  Bevölkerung aus dem Gedächtnis zu tilgen versucht. Warum? Weil er ein Loser ist, der die Wahl verloren hat. Klingt plausibel, nicht? Läuft in der Wirklichkeit aber anders. Bei dem Gedanken muss der Rezensent ganz schön schlucken.

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