"Die rot-grüne Regierung befindet sich immer noch im Übergang zur Berliner Republik - zu deren lautstark beschworener Normalität. Ein Mentalitätswandel lässt sich eben nicht lancieren. Auch die Europäische Union verharrt im Übergang zu der erweiterten und gefestigten politischen Gestalt, die sie noch sucht. Ebenso sehr beunruhigen uns die Risiken des Übergangs vom klassischen Völkerrecht zur Weltbürgergesellschaft; denn von einer Weltinnenpolitik ohne Weltregierung sind wir noch weit entfernt. Der ins Stocken geratene ökonomische Aufschwung scheint einer Zeit der stockenden Übergänge die Signatur zu verleihen."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2002
Recht vehement verteidigt Martin Bauer in seiner Rezension Jürgen Habermas gegen seine falschen Freunde. Als solche hat er die deutsche Sozialdemokratie ausgemacht, die sich gerne mit dem Philosophen schmücke, ohne sich doch so recht darum zu kümmern, was er ihr ein ums andere Mal ins Stammbuch schreibt. Diese Einmischungen, die in diesem Band nach Anlass und Stil heterogener Texte zusammengefasst sind, haben, so Bauer, ihren "Generalbass" in der Insistenz auf der "Regenerierung politischer Steuerung auf transnationaler Ebene". Darin liegt, nach Ansicht des Rezensenten, ein entschiedener, noch dazu mit beträchtlicher "analytischer Tiefenschärfe" vorgetragener Widerspruch gegen den politischen Strukturkonservatismus der Sozialdemokraten. Auch Habermas' Verhältnis zum Christentum, warnt Bauer, ist um einiges komplexer, als die neuesten Umarmungen von rechts vermuten ließen. Den "methodischen Atheismus" lässt sich der Philosoph nicht abhandeln, während er das christliche Erbe seines "Telos der Verständigung" einräumt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2001
Einen "großen öffentlichen Intellektuellen" nennt Rene Aguigah Jürgen Habermas, der sich immer wieder zu gesellschaftlich aktuellen Fragen zu Wort meldet. Vom Kommentar zum CDU-Spendenskandal bis hin zur Frage, welche Folgen die Entschlüsslung des Genoms für das menschliche Selbstverständnis hat, reicht das Repertoire der Themen, über die sich Habermas Gedanken mache. Die Lektüre einiger der in diesem Band versammelten Essays, so der Rezensent Aguigah, lohne sich eher aus einem Interesse an der "Werkgeschichte des Autors" heraus als aufgrund ihrer konkreten Inhalte. Es handelt sich dabei etwa um Beiträge zum Kosovo-Krieg oder zur CDU-Spendenaffäre, die nach Ansicht des Rezensenten schon heute zum Teil etwas veraltet wirken.
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