Wild nach einem wilden Traum
Roman

dtv, München 2025
ISBN
9783423284257
Gebunden, 176 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Eine Frau lernt fern von zu Hause einen Mann kennen, Katalane und Schriftsteller, und hat mit ihm eine Affäre. Diese Liebe bringt alles ins Wanken - nicht nur die Beziehung zu ihrem Ehemann, auch ihre Sicht auf die Dinge, ihre Arbeit. Was sie erlebt, lässt eine Entscheidung in ihr reifen, die mit Risiken verbunden ist: ganz bei sich zu sein und künftig als Schriftstellerin zu leben. Aber kann jemand, der ganz bei sich ist, noch bei anderen sein? Bei einem Ehemann, bei Kindern? Jahre später steht sie erneut an einem Kipppunkt ihres Lebens und begegnet dem Katalanen wieder: Ein Bogen schließt sich zwischen Vergangenheit und Jetzt. Abschluss von Julia Schochs Trilogie "Biografie einer Frau".
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.02.2025
Das neue autofiktionale Buch von Julia Schoch ist für Rezensentin Sarah Elsing der gelungene Abschluss einer Trilogie über ein Frauenleben, das in den drei Bänden aus immer unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Hier steht nun eine Episode aus dem Leben der Protagonistin im Vordergrund, die Anlass bietet, Leben und Lieben zu hinterfragen: Während eines Stipendiums in den USA lernt sie einen Katalanen kennen, mit dem sie leidenschaftlichen Sex hat, das regt sie an, ihr Leben zuhause zu hinterfragen und neu zu sortieren. Die reduzierte Sprache, mit der Schoch "spiralförmig" von dem Erlebnis und den Folgen berichtet, erinnert Elsing außerdem an Rachel Cusk und Annie Ernaux, wie sie schließt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2025
Welche Folgen hat autobiografische Prosa, fragt sich Rezensentin Birgit Schmid nach der Lektüre des neuen Romans von Julia Schoch und findet nur lobende Worte für das literarische Wagnis der deutschen Schriftstellerin. Die "Zumutung der Autofiktion", wie Schmid diese Geste nennt, bestehe darin, nicht nur über sich selbst, sondern auch über andere, existierende Personen. zu schreiben. Wenn man so bedingungslos schreibt wie Schoch, nimmt man das aber auf sich, erklärt Schmid und würdigt dabei ihr Verfahren: Schoch gehe nicht dokumentarisch vor und distanziere sich von emotionalisierenden wie psychologisierenden Darstellungen. Vielmehr stehe das Verstehen im Mittelpunkt des Schreibens, was Schmid gut gefällt. In diesem Band ihrer Romanfolge verbindet Schoch ein Erlebnis aus ihrer Erwachsenenzeit - eine Affäre mit einem katalanischen Schriftsteller - mit einem Erlebnis aus ihrer Kindheit, als sie einen Soldaten kennenlernt, der sie in ihrem "wilden Traum" der Schriftstellerei bestärkt. Und gerade in diesem dritten Band denke sie darüber nach, was das Schreiben für ihre Angehörigen bedeute: Nervenzusammenbrüche und Kränkungen - zum Beispiel durch das Erzählen der Affäre. Aber es geht eben darum, im Schreiben die Zuversicht der jungen Jahre wiederzufinden, schließt Schmid anerkennend.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 21.01.2025
Rezensent Christoph Schröder erkennt in den Romanen von Julia Schoch stets das Persönliche und Private, aber auch deren Umformung in Kunst. Der neue Roman, der letzte von Schochs Trilogie "Biographie einer Frau", vermischt laut Schröder wiederum deutsch-deutsche Erfahrungswelten und die Frage nach den Bedingungen des Schreibens. Das um 2002 spielende Buch lässt sich auch ohne Kenntnis der anderen Texte verstehen, meint Schröder, zumal es sich zeitlich in beide Richtungen ausdehnt, wie er erklärt. Die Handlung um einen Stipendiatenaufenthalt der Erzählerin in den USA und die rasende Liebe zu einem Kollegen entwickelt die Autorin auf komplexe, gut getaktete Weise und in "großartigen erzählerischen Passagen" mit Sogwirkung, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2025
Für die Kritikerin Sandra Kegel erschließt sich nun mit dem dritten Teil von Julia Schochs "Biografie einer Frau" die "innere Mechanik" ihrer Reihe: Nicht um eine chronologische Abhandlung geht es, sondern um die verschiedenen Rollen, die eine Frau im Laufe ihres Lebens einnimmt. In diesem Band steht unter anderem die Affäre der Protagonistin während eines Stipendiums in den USA im Vordergrund, die sich für sie mit der Erinnerung an ihr Aufwachsen als Offizierstochter in der DDR verknüpft, berichtet Kegel. Für sie macht Schoch damit ein großes Panorama auf, in dem sich eine ganze Generation von Frauen wiederfinde: Ein zögerlicher, nachdenklicher und gleichzeitig aufregender Blick auf das, was "Privates und Politisches" verbindet, schließt die begeisterte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.01.2025
Rezensent Ijoma Mangold lernt von Julia Schoch und dem neuen Teil ihres Romanzyklus, dass man ein Frauenleben immer wieder neu erzählen kann: Nachdem im vorherigen Buch die Ehe der Protagonistin im Vordergrund stand, ist es jetzt eine kurze Affäre mit einem Mann, der nur als "der Katalane" eingeführt wird, die beiden lernen sich bei einem Schreibstipendium kennen. Obwohl "mehr kopuliert" als geredet wird, verweigert sich Schochs Text einer Klassifizierung dieses Zusammenseins als Sexbeziehung - raffiniert entzieht Schoch die Beziehung jeder Kategorisierung, lobt Mangold. Im Vordergrund steht die Besessenheit, die die Protagonistin empfindet und die bei dem Kritiker das Gefühl weckt, dass man ein Leben auch mit der Frage bestimmt, was davon erzählt wird: Nach dieser "Etüde über die Kontingenz" hofft er, dass Schoch sich noch in vielen folgenden Bänden mit der Frage auseinandersetzt, aus welchen Perspektiven sie erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.01.2025
Ein beeindruckendes Buch über Leidenschaft, aber auch über das Schreiben selbst bekommt Rezensentin Judith von Sternburg hier zu lesen. Julia Schoch schließt hier ihre Trilogie ab, die 2022 mit "Das Vorkommnis" begann, laut der Rezensentin kann man aber auch mit dem aktuellen Band einsteigen, die Reihenfolge ist nicht so wichtig. Es geht im dritten Teil um die in der Vergangenheit liegende Liebesaffäre der namenlosen Erzählerin mit einem Mann, der nur "der Katalane" genannt wird - "Leidenschaft pur" wird hier geschildert, so Sternburg, vom Sex erfährt man allerdings "nur das Notwendige." Dass autofiktionales Schreiben eine "hohe Kunst" ist, führt Schoch der Kritikerin hier bravourös vor Augen. Ohne, dass die Geschichte langweilig wird, tritt die Handlung in den Hinter- das Geschriebene in den Vordergrund, Sternburg kann quasi dabei zusehen, wie sich die Autorin "in Schrift verwandelt". "Krass", findet die Kritikerin das.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.01.2025
Mit sichtlicher Bewunderung schreibt Rezensent Hubert Winkels über den neuen Roman aus der Reihe "Biographie einer Frau" von Julia Schoch, der zauberhaft und frei in das Leben der Protagonistin der Reihe führt, einer Autorin, die viele an Schoch selbst erinnere. Die Intensität dieser Biografie "entsteht in der Freiheit", mit der diese Geschichte verhandelt und real wird. Winkels lobt, wie sich Schochs Prosa "mit jeder Verzweiflung, mit jeder Reflexion" verdichtet. Dass Winkels besonders einen Moment aus der Kindheit der Protagonistin festhält, als sie einem liebesbedürftigen Soldaten begegnet und dem "traurigen Mädchen" einen Kuss auf den nackten Arm drückt, ist nicht willkürlich. Denn Schoch begibt sich auf eine Gratwanderung, und intuitiv könnte man als Leser dieser "sexualisierten Handlung" mit Widerstand begegnen. Aber er bewundere, antwortet Winkels auf den eigenen Impuls, wie Schoch immer wieder solche Grenzmomente literarisch verhandelt. Schoch hat sich sichtlich weiterentwickelt und so wird die Liebe in diesem Roman überzeugend zum einzig wahren "heiligen Geschehen" zwischen Menschen, schließt der Rezensent bewegt.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 04.01.2025
Mara Delius will erst gar nicht weiterlesen in Julia Schochs neuem autobiografischen Roman, der den Abschluss einer Trilogie bildet. Die Erzählerin berichtet von Sex mit einem anderen Schriftsteller während eines StipendiatInnen-Aufenthalts in New York, das scheint Delius wenig lesenswert. Allerdings kennt Delius die Texte der Autorin als nur vordergründig schlicht. Dahinter verbirgt sich eine andere Geschichte, erklärt Delius, eine über die Leidenschaft des Schreibens, die weit zurückreicht in der Biografie der Autorin. Wie Schoch das anlegt und erzählt, unerschrocken und elegant, erinnert die Rezensentin an Rachel Cusk oder Annie Ernaux und erscheint ihr "wegweisend".