Wolf Haas

Wackelkontakt

Roman
Cover: Wackelkontakt
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446282728
Gebunden, 240 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Franz Escher wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo. Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf die Entlassung. Er hat so viele Leute verraten, dass er um sein Leben fürchtet. Aus Angst liegt er nachts wach und liest ein Buch. Es handelt von Franz Escher. Der wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Was beginnt wie zwei halbwegs übersichtliche Lebensgeschichten, verwirbelt sich zu einem schwindelerregenden Tanz - mit einem toten Handwerker, familiären Verstrickungen und vielen ungelösten Geheimnissen, funkenschlagend und spannend bis zum finalen Kurzschluss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.02.2025

Dass einer der Protagonisten in Wolf Haas' neuem Roman Escher heißt wie der "Täuschungskünstler" M.C. Escher, auf dessen Bildern sich beispielsweise zwei Hände gegenseitig zeichnen, ist mit Sicherheit kein Zufall, betont Rezensentin Wiebke Porombka: Sein Escher vertreibt sich die Zeit, in der er auf einen Elektriker wartet, mit der Lektüre eines Romans über den Mafioso Elio, der wiederum einen Roman über einen Escher liest, der auf einen Elektriker wartet. Für Porombka an sich keine schlechte Idee, aber eine, die sich doch ziemlich schnell abnutzt und das Gerüst von Haas' Buch insgesamt ziemlich wacklig aussehen lässt - dass Escher beim Puzzlen das zentrale Teil fehlt, ist da vielleicht symptomatisch zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.01.2025

Viel Spaß hat Kritikerin Katharina Granzin bei der Lektüre von Wolf  Haas' neuem Roman: Als erste Hauptfigur wird Franz Escher eingeführt,  der nicht zufällig so heißt wie der Vexierbildkünstler M. C. Escher und auf einen Elektriker wartet. Die Wartezeit vertreibt er sich mit  der Lektüre eines Romans, in dem der italienische Mafioso Elio sich ein neues Leben in Deutschland aufbaut und wiederum einen Roman liest,  in dem jemand namens Escher auf einen Elektriker wartet, erklärt Granzin dieses interaktionsreiche und spaßige Spiel. Sie freut sich, dass Haas diesen Versuchsaufbau nicht nur als Pose durchzieht, sondern als geübter Spannungsautor selbige über das ganze Buch hinweg aufrechterhält und auch das Spiel mit der Sprache und den Sprachen nicht vergisst - die Geschichten laufen gegen Ende ineinander über. Schwierig zu erklären, findet die Rezensentin, am besten selbst lesen, empfiehlt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.01.2025

Da sitzt einer - einer namens Franz Escher - und wartet auf einen Elektriker. Dabei liest er einen Roman über einen Ex-Mafiosi namens Elio Russo. Dieser Ex-Mafiosi wiederum sitzt ebenfalls und wartet - in seiner Zelle nämlich - und liest dabei einen Roman über einen Franz Escher, der auf den Elektriker wartet. Und dieser Elektriker, das ist der Ex-Mafiosi Elio Russo. Klingt kompliziert, theoretisch, ist es aber gar nicht, betont Rezensentin Ursula März. Die Anlage ist raffiniert, und literaturtheoretisch fundiert, aber sie wirkt nie aufgepfropft, überwiegt niemals die Charaktere und die Handlung. So kann sich März rückhaltlos mitreißen lassen von Haas' spannungsreichem Plot, samt "Todesfällen, Entführung und Lösegeldverhandlungen". Das alles natürlich sanft parodistisch angehaucht - sonst wäre es nicht Wolf Haas, erzählt mit der ihm typischen Lakonie - der Lakonie eines Autors, in dessen Brust zwei Seelen wohnen, stellt die Rezensentin einmal mehr bewundernd fest: die eines "staunenden Kindes" und die eines miesepetrigen Fatalisten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.01.2025

Wie im siebten Himmel fühlt sich Rezensentin Judith von Sternburg mit Wolf Haas' neuem Roman "Wackelkontakt", der für sie in gewisser Weise aus zwei Bücher besteht - mindestens. Denn einerseits lernen wir laut Sternburg Franz Escher kennen, einen Mann, der einen Elektriker erwartet und währenddessen ein Buch über einen Mafia-Kronzeugen liest; und andererseits einen Mafia-Kronzeugen, der ein Buch über den auf den Elektriker wartenden Franz Escher liest. Das ist gleichermaßen simpel und komplex, genau wie die absurden M.C.-Escher-Zeichnungen, die hier natürlich nicht umsonst im Namen einer der Hauptfiguren aufgerufen werden, so die Rezensentin. Die Rezenzensetin denkt, sie habe den Dreh schnell raus in diesem Haas-Roman, aber das täuscht, lernt sie, der Autor baut immer neue sprechende Details in sein Vexierbild ein, daneben tauchen noch höchst lebendige weitere Figuren auf, etwa eine Doktorandin, die sich über wieder ein anderes Buch ärgert, das Franz Escher einst geschrieben hat. Insgesamt ein genialer Spaß, so Sternburgs enthusiastisches Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2025

Rezensent Tilman Spreckelsen ist Puzzlefan und als solcher Freund des neuen Romans von Wolf Haas. Wie Haas Handlungs- und Motivstränge raffiniert nebeneinander her und schließlich aufeinander zu führt, findet er lesenswert. Auch weil Haas sein Spiel bis in die Sprache hinein fortsetzt und die zwei Teile der Geschichte um den Trauerredner Escher, der hier zum Mörder wider Willen wird, und einen Mafioso erst subtiler, dann immer deutlicher aufeinander bezieht. Für Spreckelsen ein reizvoller Vorgang, dem er jedenfalls gern lesend folgt. Ob die Zeit im Roman nun eine Schleife vollführt oder flächig ist, darüber grübelt der Rezensent immer noch nach.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2025

Rezensent Paul Jandl liest den neuen Roman von Wolf Haas mit Freude. Lust an der Puzzlelei muss der Leser allerdings mitbringen, rät Jandl, denn der Autor legt seinen Text wie ein Möbiusband an. Innen und Außen, Literatur und Wirklichkeit lassen sich kaum noch unterscheiden, so Jandl. Mit hermeneutischem Gespür und Sinn für Blödsinn zaubert der Autor einen Roman, der Jandl auch nach der dritten Lektüre noch Rätsel aufgibt. Jandl warnt: Harmlos ist hier gar nichts. Wie sich die Handlung langsam genial entfaltet, das sollte der Leser selber herausfinden und genießen, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.01.2025

Eins ist bei Wolf Haas sicher, merkt Rezensent Alex Rühle im Gespräch mit dem Autor, langweilig und konventionell wird es sicher nicht. Sein neuer Roman verschaltet zwei erzählerische Stromkreise zu einem, erfahren wir: Der Protagonist Franz Escher liest einen Roman über den italienischen Mafioso Elio Russo, der selbst wiederum einen Roman über Escher liest, eine "literarische Matroschkapuppe" sozusagen. Das macht Rühle großen Spaß und ohne zu viel von der Handlung zu verraten, lernt er von Haas, wie man mit Bezügen auf die österreichische Avantgarde das "Misstrauen allem realistischen Erzählen gegenüber" umgehen kann, ohne ausschließlich auf Sprach- und formale Spiele zu vertrauen. Ein Buch, das nicht nur klug ist, sondern auch spaßig, resümiert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.01.2025

Rezensent Alex Rühle will nicht viel verraten über die Handlung von Wolf Haas' neuem Roman, dafür aber umso mehr über die Schreibverfahren und -ideale des Wiener Schriftstellers, den er dort auch getroffen hat. Im Buch geht es, in einer Art Schachtelung, um einen Mann namens Franz Escher, der beim Warten auf einen Elektriker einen Roman über Elio Russo in einem Gefängnis in Italien liest, der beim Warten auf seine Freilassung wiederum einen Roman liest: über selbigen Franz Escher. Was sehr nach "Versuchsanordnung" und angestrengter Formspielerei klingt, bietet dann aber doch einiges an Haas-typischer "Lesegaudi", verspricht der Kritiker - nicht zuletzt dadurch, dass der Handlung zusätzlich ein "enorm starker Motor abgeschraubt" wird: Franz Escher bringt aus Versehen den Elektriker um. Aber der Krimiplot sei wie auch bei den Brenner-Krimis eher Nebenprodukt, meint Rühle; hauptsächlich sei es Haas nach eigener Aussage um seinen Spaß an der naiven Grundidee gegangen, zwei Geschichten gleichzeitig zu schreiben, die sich quasi gegenseitig lesen. Wie Haas beim Gespräch in Wien das alles erklärt, dabei noch kurz auf die Entdeckungen seiner Doktorarbeit zur konkreten Poesie zu sprechen kommt und auf seine Stephen-King-Liebe, scheint auch dem Kritiker zwar einigermaßen "Luftschlangen"-mäßig verworren, aber sehr unterhaltsam - ähnlich wie der neue Roman, vermittelt Rühle.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.01.2025

Richard Kämmerlings hat jede Menge Rätselspaß mit dem neuen Roman von Wolf Haas. Das Buch hat den schwarzhumorigen Brenner-Sound, wartet allerdings mit einer komplexen Plotgestaltung auf, die über das Krimigenre hinausweist, erklärt Kämmerlings begeistert. Genau genommen handelt es sich um zwei Plots, einen um einen Mafia-Paten auf der Flucht, einen aweiteren um einen Trauerredner, der aus Versehen einen Menschen umbringt, die der Autor hier geschickt arrangiert. Und zwar als binäres System, als zwei Handlungen, die sich aufeinander zu bewegen und die die ununterscheidbaren Seiten eines Möbiusbandes bilden, wie der Rezensent feststellt. Für Kämmerlings ein "geniales Puzzle".

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