Aus dem Japanischen neu übersetzt von Katja Cassing und Jürgen Stalph. Ein Universitätsprofessor, der fürchtet, seiner attraktiven, elf Jahre jüngeren Ehefrau sexuell nicht mehr zu genügen, sucht nach einem Weg, seinem Eheleben neuen Schwung zu verleihen. Seine zur Prüderie erzogene Frau pflegt die Vorstellung, dass der eheliche Akt ausschließlich im dunklen Schlafzimmer, in Stille und "orthodox" auszuführen sei. Alles Reden darüber ist für sie tabu.
Der Professor beschließt, indirekt mit ihr zu sprechen, in seinem Tagebuch. Den Schlüssel plaziert er so, dass seine Frau ihn finden muss. Nach und nach gibt er seine geheimsten Wünsche preis, erst in der Hoffnung, dann in der Gewissheit, dass sie, die ihrerseits ein Tagebuch beginnt und nur nachlässig "versteckt", die Aufzeichnungen liest. Weil er weiß, dass ein wenig Eifersucht ihm Flügel verleiht, bringt der Professor den zukünftigen Ehemann der gemeinsamen Tochter ins Spiel. Seine Frau spielt mit. Doch schon bald ist nicht mehr klar, wie weit sie gegangen ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2017
Seit Tanizaki Junichiros Roman "Der Schlüssel" in den Fünfzigern erschien, hat er für Streit gesorgt, weiß Rezensent Ludger Lütkehaus. Damals wenigstens wurde dem Buch noch "Pornografie mit Todesfolge" vorgeworfen, verrät der Rezensent. Aber damit wäre Junichiros Roman sehr unzureichend beschrieben, erklärt der Kritiker. Erzählt wird die Geschichte einer Ehe in Tokio, in der die Erotik von unerfülltem Verlangen und Eifersucht im Mittelpunkt steht, resümiert der Rezensent. Ikuko ist ein "impotentes Eheleben" ein Gräuel, wie es ihr mit ihrem Ehemann, dem Professor, aufgebürdet scheint, also sucht sie in einer Affäre Erfüllung, ergötzt sich letztlich aber viel mehr an der Eifersucht ihres Mannes: "Ohne Eifersucht gibt es keine Leidenschaft", zitiert Lütkehaus. Die Neuübersetzung fügt einige schöne Differenzierungen hinzu, bleibt aber nach wie vor hinter der Komplexität von Junichiros Schlüsselroman zurück, findet der Rezensent.
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