"Wer gut zu gehen weiß, bleibt ohne Spuren." Kai Marchal war 22, als er dieser daoistischen Weisheit folgend in den 1990ern mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China reiste. Dieses Land verkörperte damals für ihn das radikal Andere, einen letzten Sehnsuchtsort jenseits der westlichen Lebensform. In unserer chaotischen Gegenwart ist China längst ins Zentrum der Welt gerückt; mit dem schleichenden Niedergang des Westens wird auch die neue Führungsmacht China immer wichtiger. Doch was wissen wir eigentlich über das chinesische Denken? Suchten Daoisten, Konfuzianer und Buddhisten "nur" nach Weisheit - oder verfolgten sie ein philosophisches Projekt, das uns auch heute noch helfen kann, ein gelingendes Leben zu führen? Welche neuen Perspektiven können uns Denker wie Laozi, Wang Bi oder Wang Yangming anbieten? Das Ergebnis von Kai Marchals langjährigem Ringen mit dem Gegenstand "China", der sich uns wie kein anderer entzieht, ist ein Buch, das sehr unterschiedliche Genres miteinander verbindet: philosophische Einführung, literarischer Essay, Reisebericht, autobiografisches Bekenntnis.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2019
Rezensent Marko Martin ist enttäuscht: Was hätte das für ein Buch werden können! Seine Bewunderung für den Autor Kai Marchal, der seit etlichen Jahren in Taipeh lebt, an der dortigen Universität Philosophie lehrt und auf Deutsch, Englisch und Chinesisch publiziert. Auch den Ansatz von Marchal, der eine Einführung ins chinesische Denken mit seiner eigenen Entwicklungsgeschichte - und seinen eigenen Fragen - verbindet, scheint ihm gefallen zu haben. Bis der Autor sich "rettungslos verquatscht" und dabei seinen Zettelkasten abarbeitet. Wo war das Lektorat?, fragt Martin
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2019
Mark Siemons liest Kai Marchals Buch als Bildungsgeschichte eines postchristlichen Europäers, der die Berührung mit chinesischen Denktraditionen von Konfuzius bis Wang Bi nicht scheut und dem Leser seine Erlebnisse und Erfahrungen in einem Ineinander von Innen- und Außenperspektive, unter Abschweifungen und mit Witz und Melancholie schildert. Spannend findet Siemons zu sehen, wohin der Zwiespalt zwischen westlichem Kulturpessimismus und östlicher Irrationalität führt. Der Wechsel zwischen Biografischem und Quellentexten erscheint ihm anregend und verschafft ihm lebensweltliche und historisch-kritische Kontexte.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…