Aus dem Niederländischen von Arne Braun. Als Armin Minderhout erfährt, dass er aufgrund eines Genfehlers keine Kinder zeugen kann, gerät er mehr als ins Grübeln: diese Entdeckung bedeutet, dass er nicht der Vater seines dreizehnjährigen Sohnes Bo sein kann. Bos Mutter, Monika, starb vor zehn Jahren - mit ihr kann Armin also nicht mehr sprechen. Sein gesamtes Leben ist plötzlich in Frage gestellt: War das Zusammenleben mit seiner großen Liebe eine einzige Lüge? Zumindest einmal muss Monika ihn offensichtlich betrogen haben. Armins Ideale geraten ins Wanken, und so macht er sich, von der quälenden Entdeckung getrieben, auf die Suche nach dem biologischen Vater seines Sohnes Bo - den "Täter", wie er ihn nennt. Die Suche wird für Armin zu einer Obsession, die beginnt, sein gegenwärtiges Leben zu zerstören. Er macht sich eine Liste mit "Verdächtigen" und spürt einen nach dem anderen auf. Als er schließlich auf den "Täter" stößt, ist dies jemand, mit dem er nicht im mindesten gerechnet hatte ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2001
Durchaus gemischt ist das Urteil von Thorsten Gellner über Karel G. van Loons Roman über einen Vater, der auf der Suche nach dem leiblichen Vater seines Sohnes ist. "Angenehm unverbraucht und authentisch" ist der Erzählgestus und die Beschreibung der Vater-Sohn-Beziehung oder die der Beziehung mit der Mutter des Kindes, die früh gestorben ist. Interessant findet der Rezensent auch, dass in diesem Roman verschiedene Genres zusammengeführt werden, vom Detektiv- bis zum Entwicklungsroman. Aber es gibt auch einiges, was Gellner überhaupt nicht gefällt, zum Beispiel die "alltagsphilosophischen Weisheiten", die der Autor permanent unterbringen will - und der Umstand, das die Detektivgeschichte dramaturgisch überhaupt nicht funktioniert, weil dem aufmerksamen Leser schon sehr bald klar ist, wer der Vater ist. Die Pointe des Buches kommt nach Gellners Meinung 200 Seiten zu spät.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2000
Viele Zeilen lang hat Dorothea Dieckmann gespottet und über die "benutzerfreundliche Pseudophilosophie" dieses Buches gestöhnt. Am Ende klingt sie dann doch versöhnlich: "vielleicht war es ja wirklich ein gutes Buch, bei dem der französische Rotwein allmählich warm wurde." Die Kritikerin macht noch einmal eines Exkurs und erläutert das Erfolgsrezept der niederländischen Literatur, das in der "Verknüpfung von Alltagsnormalität mit Existenzfragen, von Lebensnähe mit metaphysischer Sinnsuche" bestehe. Als literarische Musterbeispiele nennt sie Mulisch, Noteboom und Hugo Claus. Es gebe aber auch "unzählige halbgebildet-erbauliche Geschichten", findet sie und hat auch hier eine, allerdings schwarze Liste. Ganz untenan stellt sie das hier besprochene, "kaum übersetzenswerte Ereignis". Dass es in den Niederlanden eine Weile auf der Bestsellerliste stand, ist für sie mitnichten Qualitätsmerkmal.
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