Literarische Nachträge einer Kindheit im zerbombten Berlin. Kaleidoskopisch aufgegriffen und vor dem Verschwinden festgehalten, erinnert die Schreiberin ein Kinderland im Puzzle der Trümmer, als hätte es nie anderes gegeben.Die Scherben der Zivilisation bilden die Spielwiese der Kinder in den aufgerissenen Straßen und Ruinen. Die Ich-Erzählerin hantiert unter verschiedenen Namen und Adressen, bewegt sich scheinbar leichtfüßig von Schauplatz zu Schauplatz. Halbwüchsig, Orientierung suchend, so erzogen, wie es sich in der Nachkriegszeit gehört, erlebt sie den Neuanfang: Leiser Widerstand regt sich gegen Vormünder zu Hause, in der Schule und unter ihresgleichen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.06.2020
Rezensentin Manuela Reichart geht mit Karin Reschke zurück in das zerbombte Berlin nach '45, zu Trümmerfrauen, Familiendramen, Kinderspielen, Liebe, Hunger, Gefahr und Illusion, aber auch weiblicher Selbstermächtigung. Inwieweit die Zukunftsperspektiven in den Geschichten des Bandes auf den Lügen der Altvorderen aufbauen, müssen die Figuren erst lernen, erkennt Reichart. Reschkes auch auf eigenen Kindheitserfahrungen basierende Erzählweise findet sie "erinnerungs- und gefühlsstark". Die Ängste und Träume junger Nachkriegsberliner fängt das Buch lebendig ein, meint sie.
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