Einst erfolgreiche Kochbuch-Autorin, verliert die Wiener Jüdin Alice Urbach unter den Nationalsozialisten Heimat, Familie und Karriere. Sie flieht nach England, wo sie sich als Dienstbotin durchschlägt und später ein Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen leitet. Mit Kochunterricht versucht sie ihre Schützlinge von den Kriegswirren abzulenken. Nach dem Krieg geht Alice nach New York, gibt Kochkurse in San Francisco und stellt im amerikanischen Fernsehen ihre besten Rezepte für Mehlspeisen und Tafelspitz vor. In einer Wiener Buchhandlung findet sie sogar ihr Buch wieder. Doch wer ist der Mann, dessen Name auf dem Umschlag prangt? Hat es den "Küchenmeister" Rudolf Rösch je gegeben? Recherchen führen Alice' Enkelin Karina Urbach in Wiener, Londoner und Washingtoner Archive, in denen sie längst verloren geglaubte Briefe, Tonband- und Filmdokumente findet. Sie eröffnen ein bislang unbekanntes Kapitel in der Geschichte deutscher NS-Verbrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2020
Walter Schübler ist gerührt ob der bloßen Fakten, die Karina Urbach über ihre Großmutter, die Wiener Gastro-Pionierin Alice Urbach, aus Archiven und Familienkorrespondenzen zusammenträgt. Entstanden ist laut Schübler eine bewegte Familiengeschichte zwischen Wien, England und New York, in der es unter anderem um geklaute Kochbuchrechte und Naziterror geht. Über manches Detail hätte Schübler gerne genauere Informationen gehabt, insgesamt aber bewegen ihn die konzis rekonstruierten und mit den politischen Zeitläufen grundierten individuellen Schicksale im Buch, denen die Autorin durchaus mit der nötigen Distanz begegnet, wie der Rezensent anmerkt.
Laut Rezensent Andreas Fanizadeh beschreibt die Historikerin Karina Urbach hier eindringlich, wie ihre Großmutter, die jüdische Österreicherin Alice Urbach, um 1935 mit ihrem Kochbuch zunächst zu einer Wiener Berühmtheit avancierte, um 1938 vom Reinhardt-Verlag als Verfasserin getilgt zu werden: Kurzerhand wurde das Buch dem angeblichen Mitarbeiter des Reichsnährstandes Rudolf Rösch zugeschrieben und weiterhin höchst erfolgreich vermarktet, während die Urbachs verfolgt, ermordet und ins Exil vertrieben wurden, fasst der aufgebrachte Kritiker zusammen. Ihm hat das Buch vor Augen geführt, dass es auch heute noch zu viele Institutionen und Personen gibt, die ehemalige Profite durch den Nationalsozialismus unter den Tisch kehren.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…