Der Preis der FreiheitIn einem Hochsicherheitstrakt des Pariser Justizpalastes muss die charismatische Untersuchungsrichterin Alma Revel über die Festsetzung oder Freilassung eines blutjungen Mannes entscheiden, gegen den ein Terrorismusverdacht vorliegt. Doch nicht nur beruflich ist Alma extrem gefordert. Ihre Ehe ist am Ende und sie stürzt sich Hals über Kopf in eine Affäre, ausgerechnet mit dem Anwalt, der nun den Terrorverdächtigen verteidigt. Alma trifft eine folgenschwere Entscheidung, die ihr Leben und ihr Land auf den Kopf stellen wird. Was sind wir bereit aufzugeben, um unsere eigene Sicherheit zu gewährleisten?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2022
Die französische Schriftstellerin Karine Tuil ist doch mehr Delphine de Vigan als Michel Houellebecq, muss Rezensent Niklas Bender nach der Lektüre dieses Roman gestehen. Zwar traut sich Tuil durchaus an ein wichtiges Thema heran, wenn sie hier von einer Richterin erzählt, die einen Syrienheimkehrer aus der Präventivhaft entlässt, woraufhin dieser in einem Pariser Klub Dutzende Menschen tötet. Dagegen, dass die Autorin die Handlung mit der persönlichen Situation jener Richterin verknüpft, hat der Rezensent erstmal nichts einzuwenden: Die Einblicke in die kaputte Ehe, die Affäre mit dem Verteidiger des Täters und die Tatsache, dass die Tochter der Richterin unter den Klubbesuchern ist (im Gegensatz zu ihrem Verlobten aber überlebt), weiß Tuil durchaus spannungsreich einzubauen, meint Bender. Ab und an beginnt das Gerüst aber durchaus zu ächzen, etwa wenn die Autorin "Broschüren"-Einlassungen über Islamismus einbindet oder moralische Konflikte allzu billig auflöst. Und ein bisschen viel "Hollywood-Schmonzette" ist auch im Spiel, seufzt der Kritiker.
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