Die ganze Welt scheint in Bewegung geraten zu sein. Derzeit sind 120 bis 150 Millionen Menschen rund um den Globus auf Wanderschaft, und die Bilder der Flüchtlinge von Mellila und Ceuta sind noch deutlich in Erinnerung. Weltweit ist die Frage der Immigration, der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden zum Anlass heftiger, nicht selten blutiger Auseinandersetzungen geworden. Denn Migration verändert die Zusammensetzung von Gesellschaften, droht die sozialen Gemeinschaften zu sprengen und ist damit längst ein internationales Sicherheitsproblem. Doch Karl Schlögel ist weit davon entfernt, ein Schreckensszenario zu zeichnen. Sein Essay, in dem er erstmals Überlegungen zur globalen Völkerwanderung anstellt, ist vielmehr ein Loblied auf den modernen Nomaden. Denn auch wenn die meisten Staaten des Westens die moderne Völkerwanderung als Bedrohung empfinden und sich als Zielländer von nicht mehr zu bewältigenden Migrations- und Flüchtlingsströmen sehen, können doch weder Amerika noch Europa ohne Migration leben, da sie zur Aufrechterhaltung ihrer Bevölkerungszahlen auf die modernen Nomaden angewiesen sind. Globalisierung, so die These von Schlögel, ist ohne Migration nicht machbar, eine globale Welt ohne "global citizens" nicht denkbar.
Mit großem Interesse und Respekt hat Rezensent Jörg Plath Karl Schlögels Buch über Migration und Globalisierung gelesen. Zu dessen Stärken gehört aus Sicht des Rezensenten die "historisch unterfütterte Breitwandphänomenologie" der Darstellung sowie eine bewundernswerte "enzyklopädische Eloquenz". Schlögel bewerte Migration insgesamt eher positiv und stelle außerdem klar, dass Globalisierung ohne sie undenkbar , "capital flow" ohne sie sogar sinnlos sei. Die Wanderungen führten für Schlögel außerdem zu einer "Rückgewinnung von Komplexität, Konfliktfähigkeit und Weltläufigkeit" der im 20.Jahrhundert nationalistisch verengten Gesellschaften. Nur manchmal franst der Essay argumentativ ein wenig aus, stellt Plath fest und registriert auch ein paar Wiederholungen. Trotzdem ist der Gesamteindruck mehr als gut. Eine "Mischung aus Wüstenromantik und Steven Spielberg", die Schlögels Darstellung "legaler und illegaler Grenzüberwindler" Plath zufolge durchzieht, scheint außerdem für beträchtliches Lesevergnügen zu sorgen.
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