Klappentext
Nach einem Leben voller Hast und Kampf, voller drückender Probleme und Sorgen, sehnt sich Karl V. nach Einsamkeit und stiller Einkehr. Von der Welt zurückgezogen, in seinem bescheidenen Alterssitz in Yuste in Spanien, erinnert sich der Karl V. an die Salbung zum Kaiser durch den Papst, an Macht und Bürde der Kaiserwürde, an die ständige Bedrohung durch fremde Völker und neue Religionen - an seine Familie und Vertrauten. Aus der Sicht des Herrschers erzählt die Autorin aus dem Leben eines Ruhelosen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 24.02.2000
Friedrich Prinz bespricht das Buch zusammen mit "Karl V." von Alfred Kohler (C.H. Beck), "Kaiser Karl v." von Ernst Schulin (Verlag W. Kohlhammer), "Taschenlexikon Karl V." (Piper Verlag), "Karl V." von Manuel Fernandez Alvarez (W. Heyne Verlag) und "Des Kaisers Frauen" von Rosine DeDijn (Deutsche Verlags-Anstalt).
1) Alfred Kohler: "Karl V."
Hierbei handelt es sich nach Ansicht des Rezensenten um eine "gehaltvolle, höchst konzentriert geschriebene Biografie". Prinz hebt den wissenschaftlichen Charakter des Werks hervor, lobt den Verzicht auf alle Psychologisierung und streicht heraus, wie kenntnisreich Kohler zunächst den Forschungsstand referiert. Es habe zwei Schulen bei der Betrachtung des Kaisers gegeben, eine "süd-" und eine "mitteleuropäische". Prinz gefällt es, wie Kohler diese beiden Stränge zusammenführt und "die jeweiligen Problemfelder klar auf den Punkt" bringt. Trotz des Verzichts auf alle romanhafte Identifikation werde auch die Person des Kaisers - seine Familienpolitik, sein Verhältnis zu Frauen, seine Religiosität - klar umrissen.
2) Ernst Schulin: "Kaiser Karl V."
Prinz lobt die Knappheit und den sehr informativen Gehalt des Buchs, fragt sich aber, wie sinnvoll es ist, den Weg des Kaisers dreimal zu erzählen, nämlich je nach den Regionen, um die es in den einzelnen Kapiteln geht. Die Illustrationen des Bandes finden Prinz` Lob.
3) Friedemann Bedürftig: "Taschenlexikon Karl V."
Auch diesen Band lobt Prinz in einer kurzen Bemerkung als informativ und weist vor allem auf die Kurzbiografien hin. Seine Grenzen zeige das Genre des Lexikons allerdings, wenn es um Personen wie Luther gehe, die in einem solchen Rahmen nicht angemessen gewürdigt werden könnten.
4) Manuel Fernandez Alvarez: "Karl V."
Anders als Kohler oder Schulin, so Prinz, wendet sich Alvarez an ein breiteres Pubikum. Dabei konzentriere sich der Autor ganz auf die Person des Herrschers.
5) Sigrid-Maria Grössing: "Karl V."
Auch Grössing schreibe romanhafter, dabei gehe es aber auch um die Familie Karls V.. "Unterhaltend".
6) Rosine DeDijn: "Des Kaisers Frauen"
Diesen Band scheint Prinz unter den eher populären Büchern über Karl V. vorzuziehen als eine Art farbenfrohe Reise, wobei Flandern, der Region der Hauptautorin des Bandes, besonderes Gewicht zukomme. "Üppig" sei der Band durch die vielen Farbillustratioen und bilde damit quasi einen "Gegenpol des streng wissenschaftlichen Werkes von Alfred Kohler".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Im Februar 2000 jährt sich der Geburtstag Kaiser Karls V. zum 500. Mal. Aus diesem Anlass bespricht Christine Tauber Größings Buch zusammen mit zwei weiteren Neuerscheinungen: Ernst Schulins „Kaiser Karl V.“ (Verlag W. Kohlhammer) und Alfred Kohlers „Karl V. 1500 - 1558“ (Verlag C.H. Beck).
1) „Karl V.“ von Sigrid Maria Größing
Größings Buch schneidet am schlechtesten ab. Die Autorin lasse sich von mangelnder Faktenkenntnis nicht stören und ersetze sie durch „weibliche Intuition“. Besonders skurril findet Tauber dabei, dass Größing Situationen im Leben des Kaisers, über die es fast keine Quellen gibt, nacherzählt, als wäre sie dabei gewesen. Seriös findet Tauber diesen „Blick durch die Schlüssellöcher“ nicht.
2) „Kaiser Karl“ von Ernst Schulin
An Schulins Buch begeistert Tauber unter anderem die „fast künstlerisch zu nennende Vorgehensweise“. Ihm schwebe offenbar ein Porträt im Sinne Jakob Burckhardts vor. Dabei stellt sich heraus, dass der Kaiser bei Schulin weder als „Renaissancefürst“ noch als Vorkämpfer nationaler Ideen zu verstehen sei. Der Untertitel verrate schon die Grundthese des Buchs, das die Geschichte „eines zu großen Anspruches“ nachzeichne. Besonders erfreulich findet Tauber den Reichtum der Detailbeobachtungen bei Schulin.
3) „Karl V. 1500-1558“ von Alfred Kohler
Kohler geht nach Ansicht Taubers wesentlich seriöser mit dem Gegenstand um als Größing. Die Rezensentin erklärt das unter anderem aus der 25-jährigen Beschäftigung des Historikers mit der Epoche. Dabei fühle sich Kohler der „kanonischen“ Biographie Karl Brandis über den Kaiser verpflichtet. Anders als Schulin betone Kohler „die zentrierende Kraft des Europagedankens“ bei Karl V.. Im zweiten Drittel von Kohlers Biographie stört Tauber eine konventionelle, an der chronologischen Perlenschnur der Schlachtenabfolge orientierte Erzählweise.
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