Kat Kaufmann

Superposition

Roman
Cover: Superposition
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015
ISBN 9783455405347
Gebunden, 272 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

"Sei ekelhaft, divergent, zieh dich aus im Restaurant. Die, die dann bleiben und dir noch einen Drink bestellen, als wäre nichts, sind gut, die darfst du als Freunde behalten." Alles Schöne birgt Brutales. Jeder Schmerz Poesie. "Superposition" ist die Geschichte der 26-jährigen Jazzpianistin Izy Lewin. Sie taumelt durch die Tage und die Nächte, während Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit ineinandergleiten. Izy steckt fest zwischen den erniedrigenden Hotel-Gigs, den Avancen des Regisseurs Marc und der Beschissenheit der Dinge an sich. Das große Sterben wird mit Babuschka Ella beginnen und nicht mehr aufhören. Was bleibt ihr noch, als mit einem Wolf den Mond anzujaulen? Bei einer Flasche Nastoy, zu alten Jazzplatten, Arm in Arm unter dem Tisch oder im Morgengrauen im Park. Mit Timur. Wo Timur ist, da ist die Tundra und die Steppe, da schmeckt und riecht es nach Zuhause. Ein Zuhause, das Izy nicht gehört, eines, das sie sich nur borgen darf. Und vielleicht ist das, was einen halten kann, ja überhaupt nicht in der Welt zu finden. Sondern im Kosmos. Und vielleicht gibt es einen Weg - um nicht wie die Welt an sich selbst zu zerbrechen - dort unterzutauchen. Vorübergehend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2016

Rezensent Hannes Vollmuth ist nach der Lektüre von Kat Kaufmanns Debütroman hin- und hergerissen: Zwar gefällt ihm der "ruppig"-derbe Erzählsound der Autorin, die hier die Geschichte der sechsundzwanzigjährigen Izy erzählt, die als in Petersburg geborene deutsche Jüdin auf der Suche nach ihrer Identität durch Berlin streift und ihre Tage mit Alkohol, Drogen, Sex und Liebeskummer in Clubs, Bars oder Krankenhäusern verbringt. Kaufmanns rotzig-pathetisches Berlinbild ist dem Kritiker allerdings ein bisschen zu abgegriffen. Zwischendurch entdeckt er in diesem Roman allerdings wunderbar wärmende Gedanken und Sätze, die ihm wie "Goldnuggets" entgegenleuchten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2015

Authentische Geschichten über Menschen mit Migrationshintergrund, stehen hoch im Kurs, weiß Rezensentin Wiebke Porombka. Kat Kaufmanns Debütroman "Superposition" verfügt aber über weit mehr als den gängigen "Schlüsselloch-Exotismus", betont die Kritikerin, die vor allem den poetischen Ton lobt, in dem das Innenleben der Protagonistin immer wieder durch surreale Bilder geschildert wird. Entsprechend angetan liest Porombka die ebenso tiefgehende wie doppelbödige Geschichte um die in Berlin lebende russisch-jüdische Ivy, folgt ihren Liebes- und Trinkeskapaden und erlebt die Sehnsüchte der jungen Frau, die nicht mehr will als dazuzugehören. Über das gelegentliche "Geplapper" in diesem Roman schaut die Rezensentin gern hinweg.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Zu aufgesetzt und arg gewollt erscheint Rezensentin Hanna Engelmeier dieser Roman über Izy Lewin, 26-jährige Tochter jüdischer Eltern und in Berlin lebende Jazzmusikerin. Die Gefühle der Protagonistin sind zu sehr Pose, um den Leser wirklich zu berühren, beanstandet die Kritikerin. Sie stört sich außerdem daran, dass die Autorin Kat Kaufmann durch die alleinige Nennung von einschlägigen Orten Atmosphäre zu erzeugen versuche - was ihr gründlich misslinge. Der Ton des Roman will nach Einschätzung Engelmeiers wechselweise exotisch, weltläufig und auch hartgesotten sein, doch auf die Rezensentin wirkt er eher "abgestanden". Überhaupt ist es die Sprache, an der sie sich zuvorderst stört: Weil der Autorin die Courage fehle, ihre Geschichte simpler zu erzählen, werde von ihr sinnlos "mit (Satz-)Zeichen herumgefuhrwerkt".
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