Andrei Makine

Musik eines Lebens

Roman
Cover: Musik eines Lebens
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2003
ISBN 9783455051469
Gebunden, 128 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock. Der Frühling 1941 ist für den jungen Alexej Berg eine Zeit der Hoffnung: Am 24. Mai soll er in Moskau sein erstes Klavierkonzert geben. Doch Stalins Schergen machen seinen großen Traum zunichte: Als er zwei Tage vor dem Konzert von den Proben nach Hause geht, erfährt er durch Zufall, dass man seine Eltern verhaftet hat. Und als er ungläubig zu den Fenstern ihrer Wohnung späht, entdeckt er hinter den Gardinen einen Offizier: Man wartet nur noch auf ihn ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2004

Andrei Makines Romane sind Geschmackssache, räumt Ulrich M. Schmid gleich zu Beginn seiner Besprechung ein, um dann doch ernsthafte Gründe dafür zu sammeln, dass dessen neues Buch ein "ergreifender" Roman ist. Obgleich die Geschichte eines jungen russischen Pianisten, der auf der Flucht vor der Geheimpolizei untertaucht, einige Zeit unter falschem Namen in Moskau lebt und sich durch ein virtuoses Vorspiel auf dem Klavier selbst enttarnt, durchaus den Stoff für ein Melodram abgeben könnte, entgeht Makine der Kitsch-Gefahr, versichert Schmid, indem er äußerst behutsam das Innerste seines Helden erforsche und literarische Effekte "sparsam" setze. Ein "bewegendes" Buch, schwärmt der Rezensent, dessen "suggestiver Erlebniswelt" man sich nicht verschließen sollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2003

Ulrich Baron zählt Andrei Makines "Musik eines Lebens" zu jenen "raren, wohlkomponierten Romanen, die mit sicherer Hand auf wenigen Seiten ein ganzes Schicksalsgeflecht ausbreiten". Und wahrlich, mit schicksalhaften Verflechtungen kann das Leben des begabten jungen Pianisten Alexej Berg reichlich aufwarten: Kurz vor seinem Debüt als Konzertpianist werden seine Eltern von der Geheimpolizei verhaftet, Alexej taucht unter und nimmt ungemerkt - die durch den deutschen Einmarsch bedingten chaotischen Zustände ausnutzend - die Identität eines verstorbenen Soldaten an. Doch das Ungemach lässt nicht ab von ihm, seine Tarnung fliegt auf. "Wie im Zeitraffer", schreibt der Rezensent, folgen darauf Arbeitslager, Verbannung und vieles mehr. Man mag es kaum glauben, doch Baron versichert: All das hat Makine "virtuos" auf knapp 130 Seiten zu erzählen verstanden, ja es sei ihm sogar eine "literarische Komposition von geradezu klassischer Eleganz" gelungen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Nicht ein gutes Haar lässt Walter van Rossum an Andrei Makines Buch. Wahrscheinlich hätte er die gerade mal 127 Seiten - eine Kürze, für die er dem Autor erleichtert dankt - gar nicht durchgestanden, wenn sie ihm nicht zumindest Anlass für Hohn und Spott geliefert hätten: Hohn und Spott über Makines wildes Fabulieren entlang von Alexander Sinowjews Wort vom Homo Sovieticus ("Was für ein Unsinn!") und über den Helden des Romans, einen sowjetischen Dissidenten, der im Jahr 1941 die gefährliche Identität des Pianisten gegen die eines gefallenen Soldaten eintauscht, bis er schließlich, weil es ihm in den Künstlerfingern juckte, enttarnt und nach Sibirien verschickt wird; Hohn und Spott über die Lieben (Krankenschwestern und eine Generalstochter) und Leiden ("wie eine höhere Tochter an Furunkeln") des empfindsamen Helden, in dessen Wahrnehmung Krieg und Stalinismus zu einem, so van Rossum, "numinosen Orgelbrausen" werden. Kurzum: "Nur Hedwig Courths-Mahler könnte es mit Andrei Makine aufnehmen."

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