Aus dem Amerikansichen von Monika Schmalz. Arturo, der Fischjunge, ist der Star des Familienzirkus. Sein rhetorisches Talent begeistert die Zuschauer so sehr, dass sie ihn wie einen Gott verehren und alles geben würden, um zu werden wie er. Am meisten aber liebt ihn seine Schwester Olympia, sie steht auch dann noch zu ihm, als er die siamesischen Zwillinge gegeneinander aufbringt, als er skrupellos die magischen Fähigkeiten des Nesthäkchens Chick für seine Zwecke missbraucht. Es ist Olympia, die buckelige Albino-Zwergin, die uns von ihrer Familie erzählt, von ihren Eltern, die sich durch unfassbare Experimente eine genetisch mutierte Freakshow heranzüchten. Sie berichtet von Geschwisterliebe und -konkurrenz, vom Kampf um Anerkennung in einer Welt des Über-Besonderen.
Dem Kultstatus des bereits 1989 im amerikanischen Original erschienenen Romans von Katherine Dunn traut Klaus Ungerer nicht über den Weg. Auch wenn noch so viele Cobains, Fleas oder Gilliams das Buch total abgedreht fanden. Für Ungerer allerdings kein Grund, die Lektüre nicht zu genießen. Nur scheint ihm das Glück hier nicht in der lustigen Darstellung verdrehter Verhältnisse und einer wahren Freakshow von einer Familie zu liegen, sondern schlicht und ergreifend in der mitreißenden Lesbarkeit eines Familienromans, für den sich laut Rezensent vor allem weibliche Teenager interessieren könnten. Die großartige Schreibe der Autorin, ihr flotter Stil und dass Dunn bei Orten und Dialogen detailgenau und ohne "maue" Stellen arbeitet, genügen Ungerer als Qualitätsmerkmal. Da sind die körperlichen Extravaganzen der Figuren im Buch für ihn schon fast Nebensache und die etwas überholten gesellschaftskritischen Aspekte auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2014
Erscheinungsjahr 1989 und kein bisschen leise, meint Martin Halter zu diesem endlich und auch noch glänzend, wie der Rezensent findet, ins Deutsche übertragenen Kultbuch von Katherine Dunn. Die von Dunn aufgefahrenen Freaks und Geeks im Zirkuswagen der Familie Binewski, das Spiel um das Normale am Abweichenden und umgekehrt und das Auflösen solcher Kategorien im Buch machen Halter noch immer Spaß, verstören ihn und lassen ihn staunen über Dunns mal kühle, mal warmherzige und nostalgische Art des Erzählens über diese Freakshow. Doch schleicht sich laut Halter auch Unbehagen beim Lesen ein. In Anbetracht des grassierenden Selbstoptimierungswahns und der allerorten medial ausgestellten Monstrositäten mag der Rezensent nicht immer lachen, dann gruselts ihn auch ein wenig.
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