Was ihre Figuren eint, ist die Suche nach dem Glück. Denn: Nur allzu oft erweisen sich in den Erzählungen Kathrin Groß-Strifflers dem Anschein nach sichere Lebensfundamente als brüchig, tauchen über Jahre verdrängte Fragen nach Schuld und Verantwortung wieder auf, mutet das Leben plötzlich an wie eine Reihe verpasster Chancen. Hoffnung als Sakrileg? Glück als ein ständig auf morgen vertagter Zustand?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2005
Das Buch hätte einen besseren Klappentext verdient, grummelt Andrea Neuhaus, die von Kathrin Groß-Strifflers "kleinen Meisterwerken" sehr angetan ist. "Die Suche nach dem Glück", wie es im Buchumschlag heißt, sei eine viel zu banale oder allgemeine Formulierung, begründet Neuhaus ihre Verärgerung; das Besondere an diesen Erzählungen sei, das Groß-Strifflers Protagonisten ihren Träumen vom Glück nicht gewachsen seien. Die meisten von ihnen sind nicht mehr ganz jung, charakterisiert die Rezensentin die Helden aus "Herr M. und der Glaube ans Glück", flüchten in Alltagsrituale, leiden still vor sich hin, haben sich abgefunden mit dem Unvermeidlichen. Sie bleiben häufig namenlos, berichtet Neuhaus, wirken "entindividualisiert wie Puppen". Manchmal erscheint das etwas klischeehaft, beklagt Neuhaus, vor allem die vielen verbitterten Frauen mit den verkniffenen Gesichtern gefallen ihr nicht; durch "Überspitzung ins Surreale" allerdings konterkariert Groß-Striffler diese kulturkritische, pessimistische Attitüde, die den "Horizont ihres Erzähluniversums verfärbt von dem nie verdämmernden Misstrauen gegen die Moderne", so die Formulierung von Andrea Neuhaus. Kathrin Groß-Striffler sei eine gute Beobachterin und trage ihre Beobachtungen in einer unaufgeregten und doch suggestiven Sprache vor, lobt sie.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…