Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof - besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.04.2026
Rezensentin Judith von Sternburg ist fasziniert von den Schicksalen, die in diesem Roman aufgearbeitet werden: 1949 warb der Bauernverband Islands 300 junge deutsche Frauen an, die auf einem isländischen Hof arbeiten sollten - Heirat mit einem Isländer ausdrücklich erwünscht. Katrin Zipse hat daraus einen Roman gemacht, der sich um zwei Frauen dreht, Gerda und Elsa, die zu den 300 gehören und mit der für sie neuen Situation auf der einsamen Insel im Norden unterschiedlich umgehen: Elsa ist traumatisiert und schweigt beharrlich, Gerda hingegen wird schnell neugierig auf das Land und die paar Menschen, denen sie hier begegnet. Wie Katrin Zipse Fremdheit erzählt, nämlich indem sie den Lesenden selbst auf Distanz hält, wenig erklärt, eher zeigt, findet Sternburg gelungen, gleichzeitig sind auch die Schilderungen des "kargen Bauernlebens" interessant. Eine besondere, weitgehend vergessene historische Erfahrung, die erzählt werden musste, so das Fazit.
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