Geisterdämmerung
Roman

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN
9783751810104
Gebunden, 383 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Chinesischen von Monika Li. Nach mehreren Jahren Haft in einem Berliner Gefängnis kehrt Tianhong zurück in sein taiwanisches Heimatdorf: Yongjing, was ewiger Frieden bedeutet, doch für Tianhong alles andere ist als das. Als jüngstes von sieben Geschwistern wuchs er mit Aberglauben, Klischees und unverrückbaren Rollenbildern auf und floh nach Berlin, in der Hoffnung, dort ein freies, selbstbestimmtes Leben als homosexueller Mann führen zu können. Doch seine Ehe mit einem Deutschen beendet er mit dem Mord an ihm. Wie konnte es dazu kommen?Am Tag des Geisterfestes, just dem Tag seiner Rückkehr ins Dorf, beschwört Tianhong einen vielstimmigen Chor aus Lebenden und Verstorbenen, gegenwärtigen und vergangenen Erfahrungen herauf, und Stück für Stück bildet sich ein Mosaik der Leben zwischen den Extremen ab: Dort ist die tote Mutter, die sich immer nur wünschte, einen Sohn zu gebären, doch zuerst nur fünf Töchter bekam; der Ehemann, der aus Hoffnung auf einen großen Preis Orchideen züchtete; die Schwester, die sich aus Angst vor dem, was sich hinter den Fenstern verbirgt, ins Dunkel zurückzog, und der Dorfdepp, der der Schlaueste von allen war.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2025
Laut Rezensent Franz Haas gelingt dem in Taiwan geborenen Kevin Chen ein erstaunlicher Roman um einen jungen Schwulen, der vor den Drangsalierungen in seiner Heimat nach Deutschland flieht und in einen Mordfall verwickelt wird. Eine Menge Themen verarbeitet Chen laut Haas in seinem Text, der mit Rückblenden, Zeitsprüngen und polyphoner Stimme vorgeht: taiwanesische Traditionen, Aberglaube, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und den Mord an einem norddeutschen Neonazi. So entsteht ein Epochen- und Familienbild, das mit Melancholie, Poesie und Komik eingefärbt ist, meint Haas.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.06.2025
"Eine wundervolle Entdeckung" ist dieser Roman des taiwanesischen Schriftstellers Kevin Chen für den Rezensenten Dirk Fuhrig: Der Protagonist Tianhong ist das letzte von neun Kindern eine Familie, die am westlichen Rand Taiwans lebt. Er weiß früh, dass er schwul ist, sein Umfeld demütigt und misshandelt ihn, er flieht nach Berlin, tötet seinen Lover und muss ins Gefängnis. Wie ein "unwirklicher Schleier" legen sich diese Erinnerungen über die Handlung, in der Chen unglaublich klug Tianhongs persönliche Erfahrungen mit der Geschichte Taiwans verknüpft, dazu trägt auch der Perspektivenreichtum bei: Es ist nicht immer sofort klar, wer gerade spricht, dadurch verdichtet sich der poetische Gehalt dieses komplizierten, hochgradig überzeugenden Textes, befindet der Kritiker.