Wie verzweifelt müssen Menschen sein, um ihre Heimat, ihre Familien, ihre Kinder zu verlassen? Um sich auf eine Odyssee zu begeben, deren Ausgang ungewiss ist? Um sich, wenn sie tatsächlich das kalte, unwirtliche Europa erreichen, als sogenannte illegale Einwanderer verstecken zu müssen oder als Zwangsprostituierte ausgebeutet zu werden? Klaus Brinkbäumer ist auf der zentralen Route der Flüchtlinge quer durch sieben afrikanische Staaten gereist. Er erzählt die Geschichte seines Begleiters John Ampan aus Ghana, der damals fünf Jahre bis Europa brauchte, weil er deportiert, in der Wüste ausgesetzt und ins Gefängnis gesteckt wurde; er erzählt von Jane Aimufua aus Benin-City, die ihre drei Kinder zurückließ, um in Europa Geld für sie zu verdienen; und er erzählt von all den Menschen, denen er unterwegs begegnet ist, auf den Lastwagen, in der Sahara und in den Bergen, in den Kellern von Agadez, in den Gassen von Tanger.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2007
Lobend äußert sich Günter Beyer über Klaus Brinkbäumers "einfühlsame" Reportage über afrikanische Flüchtlinge. Er bescheinigt dem Autor, der die Fluchtrouten selbst bereiste, den Flüchtlingen, die in den Medien oft nur als amorphe Masse erschienen, ein Gesicht zu geben. Dabei werden für Beyer auch "überraschende" Biografien sichtbar. Er hebt hervor, dass Brinkbäumer seine Berichte über die gefährlichen, existenziellen Erfahrungen der Flüchtlinge mit nüchternen Fakten über die bedrückenden Verhältnisse in den Herkunftsländern verbindet. Insgesamt würdigt er das Buch als "packenden Beitrag" zur Migrationsdebatte.
Als das bisher beste und lesenswerteste Buch zum Thema "Migration" lobt Rezensent Bartholomäus Grill diese Schilderung des langen Marsches eines Mannes aus Ghana Richtung Westeuropa. Als besondere Qualitäten des Buchs des Spiegel-Reporters Klaus Brinkbäumer hebt der Rezensent eine "klare, unaufdringliche Sprache" sowie die große Anteilnahme des Autors hervor. Auch die Tatsache, dass hier nicht nur afrikanische Ängste und Albträume, Entbehrungen und Hoffnungen geschildert werden, sondern auch europäische Ängste, machen für Grill das Besondere dieses Buches aus. Ein wenig allerdings wird das positive Bild durch einige Ungenauigkeiten und "holzschnittartige Thesen" getrübt. Das Elend der afrikanischen Flüchtlinge an Europas Grenzen verleite eben manchmal zur Übertreibung.
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