Im gegenwärtigen Strafrecht vollzieht sich eine stille Revolution. Die Verbindung von Schuld und Vergeltung ist nicht mehr zwangsläufig. Man spricht jetzt eher von Schuld und Prävention. Das ist ein Fortschritt, der den Weg freimacht für die Enttabuisierung des Strafzwecks der Resozialisierung, ohne dass man - wie bei anderen Präventionskonzepten - in die Nähe der Metaphern von Konditionierung oder gar Krieg kommt.
Resozialisierung ist utopisch, mindert die Freiheit, verletzt die Würde. Dieses Ensemble hat sich zu einem Vorurteil verdichtet, das lange nicht mehr überprüft worden ist. Der vorliegende Text versucht das nachzuholen. Dabei wird das Material methodologisch, so gut es geht, à jour gebracht. Das Ergebnis ist, um es mit einem Politiker (Walter Scheel) zu sagen, geprägt von kritischer Sympathie gegenüber Lösungen, die sich vom obrigkeitlichen Strafanspruch verabschieden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2016
In jedem Fall hat Michael Pawlik das letzte Buch des kürzlich verstorbenen Strafrechtlehrers Klaus Lüderssen mit Interesse gelesen. Zwar nennt der Kritiker einige Einwände gegen die Thesen des Autors, der Resozialisierung dem herkömmlichen Strafrecht vorzieht: Der Forderung nach mehr Personal, um sicherzustellen, dass Täter durch entsprechende Resozialisierung das Unrecht ihrer Taten einsehen, mag der Rezensent noch zustimmen. Eine Antwort darauf, wie mit Tätern umzugehen ist, die jegliche Resozialisierungsbemühungen verweigern, findet Pawlik bei Lüderssen allerdings nicht. Die Lektüre und das Nachdenken über Lüderssens Thesen lohnen sich aber definitiv, versichert der Kritiker.
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