Homosexuelle Männer wurden bis 1979 konsequent aus der Bundeswehr ausgemustert. Nun begründete Homosexualität zwar allein keine Untauglichkeit mehr, doch für homosexuelle Soldaten galt: Wehrpflicht ja, Karriere nein. Die gleichgeschlechtliche Orientierung machte den Aufstieg zum Offizier zumeist unmöglich. Und sie wurde als Sicherheitsrisiko eingestuft. Erst im Jahr 2000 änderte das Bundesministerium der Verteidigung seinen Kurs. Klaus Storkmann untersucht anhand von Interviews, Gerichtsakten und Papieren des BMVg erstmals den Umgang der Bundeswehr mit homosexuellen Soldaten. Der Vergleich zu anderen Streitkräften und mit dem öffentlichen Dienst in der Bundesrepublik Deutschland ordnet das Vorgehen der Bundeswehr in einen größeren Zusammenhang ein. Dass Homosexualität beim Militär seit alters her ein Thema war und vielerorts auch noch ist, belegt die Studie durch Rückblenden auf frühere deutsche Streitkräfte, insbesondere die Nationale Volksarmee der DDR, und durch Seitenblicke auf Armeen anderer Staaten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2021
Rezensent Peter Hoeres liest die von Oberstleutnant Klaus Storkmann verfasste Studie zum Umgang der Bundeswehr mit homosexuellen Soldaten von ihrer Gründung bis ins Jahr 2000 mit Interesse. Der Autor arbeitet laut Hoeres die Zäsuren in der Geschichte dieses Komplexes heraus und zieht den internationalen Vergleich um Deutschlands (Mittelfeld-)Position bei der Behandlung Homosexueller beim Militär zu bestimmen. Einen Eindruck von der Realität in der Kompanie bietet Storkmann dem Rezensenten mittels Zeitzeugenberichten. Dem Rezensenten attestiert Hoeres Fleiß und eine wohltuend sachliche Grundhaltung zum Thema.
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