Bereits in den Jahren 1990 und 1991 schrieb Kurt Drawert einen kurzen, furios aufwühlenden, sprachgewaltigen Roman, der sich mit dem Ende seines Heimatlandes auseinandersetzt. Für diesen vermutlich ersten bedeutenden Roman über das Ende der DDR wurde ihm der Uwe-Johnson Preis verliehen. Gewidmet ist das Buch Drawerts Söhnen 'im Sinne einer Erklärung '. Es erzählt die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung, die Drawert meisterhaft mit zeitgeschichtlichen Ereignissen verknüpft. Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls wird dieses erste große literarische Zeugnis dieses Umbruchs neu herausgegeben. Der Band wird ergänzt um die Erzählungen der 90er Jahre, darunter 'Haus ohne Menschen', für das Drawert den Ingeborg-Bachmann Preis erhielt. Thematisch verbundene Essays wie 'Polen, eine innere Reise' und 'Go, Trabi, go down' bieten einen Blick auf die Jahre nach dem Fall der Mauer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2016
Auch Kurt Drawerts Roman "Spiegelland" hat Rezensent Michael Braun beeindruckt. Denn für den Kritiker ist Drawert der einzige namhafte deutsche Schriftsteller, der die Ideen der französischen (Post-)Strukturalisten Lacan, Foucault, Deleuze und Barthes in eine zusammenhängende ästhetische Theorie übertragen habe. Außerdem seien Drawerts Essays auch stilistisch von den Meisterdenkern geprägt, in ihrer Rätselhaftigkeit und "Verweigerung der geschmeidigen Meinungsfreude". Wie Sprache mit Gewalterfahrung zusammenhänge, zeige Drawert in seinem neu aufgelegten essayistischen Roman "Spiegelland", so Braun. Es geht hier um die Traumata, die Kindheit und Jugend des Autors prägten: Wie der Autor vom Vater in den dunklen Keller gesperrt wurde und dort die Alphabetisierung als Schrecken erlebt habe, liest der Rezensent gleichermaßen mit Schaudern und Interesse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2016
Kurt Drawerts bereits 1991 erstmals erschienenes und nun erweitert herausgegebenes Romandebüt "Spiegelland" ist sicher keine leichte Lektüre, in jedem Fall aber eine lohnenswerte, befindet Beate Tröger. Die Rezensentin liest in diesem monologischen, autobiografisch geprägten Text, wie Drawert wütend mit seinem Vater und Großvater, Mitläufer des DDR-Sozialismus und Nationalsozialismus, abrechnet und mittels episodischen Erinnerungen und Reflexionen versucht, sich aus dem starren sprachlichen System der Ideologien hinauszuschreiben. Dass der Autor dabei häufig konventionelle Erzählmuster verlässt, seine Einsamkeit somit auf den Leser überträgt, erscheint der Kritikerin ebenso befremdend wie faszinierend.
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