Aus dem Amerikanischen von Felix Kurz. Die fundierte Analyse des Verfahrens gegen einen NS-Täter, der zwischen 1987 und 2011 in drei Staaten vor Gericht stand.Im Auftrag von Harper`s Magazine kam der amerikanische Rechtswissenschaftler Lawrence Douglas im Herbst 2009 nach Deutschland, um über den Prozess gegen John Demjanjuk zu berichten, der wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 27.900 Fällen angeklagt war. Als "Hilfswilliger" der SS hatte der inzwischen 89-jährige gebürtige Ukrainer zwischen 1942 und 1945 in mehreren nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern Dienst getan. Lawrence Douglas schildert den Prozess gegen Demjanjuk vor dem Landgericht München II als Höhepunkt einer mehr als drei Jahrzehnte dauernden juristischen Auseinandersetzung: Der einstige "Trawniki" Iwan Demjanjuk hatte bereits in Israel und in den Vereinigten Staaten vor Gericht gestanden und war im Mai 2009 nach Deutschland ausgeliefert worden. Mit seiner Analyse der drei Prozesse gibt Douglas Antworten auf drängende Fragen, die nationale und internationale Strafgerichtshöfe seit den Nürnberger Prozessen beschäftigen. Lawrence R. Douglas plädiert für eine (inter-)national starke Justiz, die frühere Fehler erkennt und korrigiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2020
Robert Probst findet es aufregend, mit dem Juristen Lawrence Douglas den Fall Demjanjuk noch einmal aufzurollen und den je unterschiedlichen Umgang der Justiz mit ihm in den USA, in Israel und in Deutschland zu vergleichen. Hier ist das Buch für Probst am stärksten. Bemerkenswert findet er indes auch Douglas' anschauliche, akribische Erzählweise, die dem Leser Prozessorte und beteiligte Personen lebendig vor Augen stellt, wie er findet. Das Thema "individueller Tatnachweis" macht der Autor laut Probst zu einem "spannenden Lehrstück".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2020
Rezensent Alexander Haneke freut sich über die Anschaulichkeit, mit der Lawrence Douglas die Rechtswege im Fall Demjanjuk aufzeigt. Die Geschichte der Verfolgung von NS-Verbrechen in Deutschland, Israel und den USA bekommt so laut Haneke neue Lichter. So erfährt der Rezensent, wie sich das Office of Special Investigations entwickelte, welches Medienereignis und historisches Monument der Prozess Demjanjuk war und wie letzterer die Verfolgungspraxis gegen SS-Veteranen veränderte. Vor allem das Münchner Verfahren gegen Demjanjuk schildert der Autor laut Rezensent spannend wie ein Gerichtsreporter.
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