Leo Löwenthal

Falsche Propheten

Studien zur faschistischen Agitation
Cover: Falsche Propheten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783518587621
Kartoniert, 253 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Susanne Hoppmann-Löwenthal. Mit einem Nachwort von Carolin Emcke. Lautstark schwingen sich selbsternannte Tribunen des Volkes, esoterische "Querdenker" und autoritäre Demagogen zu Verteidigern der demokratischen Ordnung auf, deren Werte sie eigentlich ablehnen. Um Gefolgschaft zu organisieren, schüren sie Ängste vor drohendem Chaos und spinnen Verschwörungstheorien über anonyme Mächte, die das Schicksal der Nation bestimmen. Vorschläge zur Lösung komplexer gesellschaftliche Probleme sind ihre Sache nicht. Vielmehr verlegen sie sich auf eine aggressive Rhetorik des Kampfes gegen "die Politiker", "die Linken", "die Flüchtlinge" und immer wieder: "die Juden". Was sich wie eine Kurzbeschreibung von Aspekten der politischen Kultur unserer Tage liest, ist Gegenstand eines Buches, das vor mehr als siebzig Jahren geschrieben wurde. In Falsche Propheten analysiert Leo Löwenthal Themen und Techniken politischer Demagogie. Er fragt, warum die immergleichen Phrasen und Phantasmen verfangen, legt dar, weshalb dem Agitator so schwer beizukommen ist, und warnt vor Unterschätzung. Denn nicht selten ist die Agitation "Generalprobe fürs Pogrom". Falsche Propheten ist ein Klassiker der politischen Psychologie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2021

Rezensent Wolfgang Matz liest Leo Löwenthals Analysen des Populismus und der Demagogie in Nordamerika von 1949 als Plädoyer für die Demokratie. Bestechend scheint ihm die Darstellung trotz ihrer Zeit- und Ortsgebundenheit (Löwenthal nahm sich zeitgenössische US-Reden und -Pamphlete vor), da Löwenthals sprachanalytische Methode überzeugt und Grundstrukturen sichtbar macht. Die Übertragung auf heutige Verhältnisse erfordert laut Matz allerdings Vorsicht, will der Leser nicht Löwenthals Arbeit instrumentalisieren oder gar "entschärfen", indem er damit auf die "üblichen Verdächtigen" (Trump, Le Pen, AfD etc.) zielt. "Aggressive Intoleranz" wittert der Rezensent jedenfalls nicht nur bei Neonazis.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.04.2021

Rezensent Marko Martin hält die Neuauflage von Leo Löwenthals erstmals 1949 erschienenen Studien zur "faschistischen Agitation" für anschlussfähig an die Gegenwart. Löwenthals genaue Analyse von Presse- und Rundfunkbeiträgen seiner Zeit zeigen Martin einerseits, dass die Trolle von damals nicht die Resonanz von heute hatten und sich noch mit Inhalten befassten, dass sie andererseits jedoch schon den Widerstand des wachen Verstandes herausforderten. Das Buch nimmt Martin als Auftrag, wachsam zu sein. Dass Löwenthal nicht vulgärmarxistisch argumentiert, gefällt ihm gut und macht das Buch für ihn zur Pflichtlektüre für demokratische Parteien.