Reise einer Frau in die Arktis

Mare Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783866486874
Gebunden, 352 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Birgit Leib. Mit einem Nachwort von Kristina Maidt-Zinke. 1839 verspricht die gerade einmal 19-jährige Léonie d'Aunet bei einem Salongespräch in Paris, ihren nicht anwesenden Verlobten, den Maler François-Auguste Biard, von der Teilnahme an einer Forschungsreise in die Arktis zu überzeugen. Ihre Bedingung: Sie kommt mit, als einzige Frau unter der sonst männlichen Besatzung. Die Reise führt sie auf dem Land- und Seeweg von Paris an die norwegische Küste und weiter nach Spitzbergen, wo sie sich bitterster Kälte und größter Gefahr aussetzt, um Zauber und Schrecken des ewigen Eises zu erleben.Ihre Eindrücke von der Arktis und den verschiedenen Etappen wie Amsterdam, Hamburg oder Lappland hält d'Aunet pointiert und voller Esprit in Notizen und Briefen fest. Erst über zehn Jahre später, nach einer verhängnisvollen Affäre mit Victor Hugo, für die sie mit einer Haftstrafe bezahlen muss, entsteht daraus dieser außergewöhnliche Reisebericht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2024
Rezensent Maximilian Gillessen empfiehlt das Buch einer selbstbewussten Frau. Leonie d'Aunets in Briefen verfasster Bericht von einer Forschungsschiffreise Anfang des 19. Jahrhunderts nach Spitzbergen scheint ihm ein wahres Abenteuer zu sein. Es geht um Frost in der Kabine, Hunger, Seekrankheit und anderes Ungemach, das die Autorin unverblümt schildert, aber auch um Besuche in Museen in Amsterdam und in den Bergwerken von Falun. Wie die Autorin schreibt, prägnant und mit Witz und viel Eigensinn, scheint Gillessen bemerkenswert. Dass sie wegen einer Affäre mit Victor Hugo mit einer Haftstrafe belegt wurde, ist gegen dieses turbulente Expeditionsabenteuer eher eine Petitesse, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2024
Im Jahr 1839 begleitete die damals 19-jährige französische Salondame und Schriftstellerin Leonie d'Aunet ihren Geliebten Francois Auguste Biard zu einer Polarexpedition, erst 1854 erschien ihr Reisebericht unter dem Titel "Voyage d'UNE FEMME au Spitzberg". Die Versalien wählte der Verlag, um das "Unerhörte", dass eine Frau die Expedition wagte, zu unterstreichen, klärt uns Rezensentin Walburga Hülk-Althoff auf. Nun liegt der Reisebericht erstmals auf Deutsch vor und die Kritikerin kann gar nicht aufhören zu schwärmen: Der in neun, offenbar fiktiven Briefen gehaltene Text besticht durch seine Lebhaftigkeit und den Eigensinn der Autorin, Land und Leute, Klima und Geschichte, Kunst und Architektur sowie Sitten der Skandinavier mit Witz, Ironie und einer Portion französischer Arroganz zu schildern, lobt die amüsierte Rezensentin. Vor allem d'Aunets geradezu im "Rausch" notierte Naturbeschreibungen reißen Hülk-Althoff mit. Nicht zuletzt lobt sie die bibliophile Ausgabe, das kundige Nachwort von Kristina Maidt-Zinke sowie die hervorragende Übersetzung von Birgit Leib, die "klugerweise" auch inzwischen verpönte Begriffe wie "Eskimo" beibehält.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.06.2024
Über die Wiederentdeckung von Léonie d'Aunets literarischen Reisebericht "Reise einer Frau in die Arktis" freut sich Rezensent Dirk Fuhrig sehr. Die 1820 geborene d'Aunet reiste im Alter von 19 Jahren mit einer Forschungsexpedition über Hamburg und Trondheim bis nach Gravneset auf Spitzbergen. Bisher vor allem durch ihre Liaison mit Victor Hugo bekannt, für die sie später mit einer mehrmonatigen Haft in einem Kloster bestraft wurde, wird d'Aunet hier für den Rezensenten als detailliert und in anschaulichen Bildern schildernde Schriftstellerin erkennbar. Ihre Landschaftsbeschreibungen zeugen zudem von einer eingehenden Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Material, erkennt Fuhrig. Auch Birgit Leibs Übersetzung ins Deutsche und das informative Nachwort Kristina Maidt-Zinkes hält der Rezensent für gelungen. Und so lässt sich mit dieser Veröffentlichung d'Aunets, die noch weitere Bücher verfasst hat, eine originelle Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts neu entdecken, freut sich Fuhrig.