Jan Snela

Ja, Schnecke, ja

Roman
Cover: Ja, Schnecke, ja
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783608962406
Gebunden, 416 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Dass es Amanda an die japanische Frauenuniversität nach Nara zieht, um eine außergewöhnliche Schneckenart zu untersuchen, ist ihrem Freund Hannes suspekt. Die Elysia Marginata kann sich von ihrem Körper trennen, und auch Hannes fühlt sich, alleingelassen mit Amandas Mäusen Isidor und Isadora, wie ein abgeworfenes Schneckenglied. Flieht Amanda vielleicht gar vor ihrer gemeinsamen Zukunft? Lieber nicht zu viel darüber nachdenken. Stattdessen: Überlange Textnachrichten an Amanda, die Mäuse ignorieren, das Haus nicht verlassen. Die verfahrene Situation ändert sich erst, als Hajo in Hannes' Leben tritt, dessen Zuneigung aber eigentlich dem Mäusepaar gilt ... Mit Sinn für Humor entlockt Jan Snela der Sprache - mal in Haibun-Prosa, mal in Haiku-Miniaturen - die ihr innewohnende Fantasie und erkundet, welche bemerkenswerten Antworten auf die großen Fragen unserer Gegenwart sich hinter dem Geheimnis von Augenblick und Vergänglichkeit verbergen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.06.2025

Rezensentin Undine Fuchs freut sich über die "Extremgegenwart", die Jan Snela in seinem neuen Roman aufruft: Im Zentrum stehen Hannes und Amanda, die schon lange zusammen sind. Amanda tritt nun einen Forschungsaufenthalt in Japan an und die beiden müssen ihre Beziehung neu ausloten: Liebe wird zum "Konsumgut", die beiden kommunizieren vor allem über die Einkäufe, die Amanda online für Hannes bestellt, erfahren wir. Hannes wiederum informiert sich in der Bibliothek über alles, was mit Japan zu tun hat. Fuchs lobt, wie Snela deutlich macht, dass dem Paar die gemeinsame Sprache abhanden kommt, Amanda "vibet" in Japan, Hannes trinkt "geicten Macchiato", beide eint, dass ihr Leben fluide, kaum greifbar ist. Für die Kritikerin macht gerade das Fluide, das Snela mit seiner hochpoetischen Sprache illustriert, den Reiz dieses Romans aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2025

Ganz hingerissen ist Rezensentin Meike Feßmann von Jan Snelas neuem Roman, in dem Schnecken eine große Rolle spielen. Und zwar unter anderem als "zart-fluides Sinnbild" für die große Liebe des Protagonisten Johannes Ginglhuber für seine Freundin Amanda, die nach Japan zieht, um an der Universität von Nara die Gattung der "Schlundsackschnecken" zu erforschen, erzählt die Kritikerin. Johannes ist eher der weichere Typ Mann, Amanda zunehmend genervt von seinen Aufmerksamkeiten, die er ihr unter anderem in Form kurzer Essays über Japan zukommen lässt, sie empfindet die Beziehung als einengend und "groovt lieber durch den Monsun". Feßmann gefällt die "hervorglucksende Heiterkeit" und die Leichtigkeit des Romans, ohne Probleme springt Snela szenisch zwischen Deutschland und Japan hin und her. Auch gelingt es dem Autor, auf "charmante" Weise Referenzen auf die japanische Literatur einzubauen, in dem er Zitate eines gewissen Udo Makura einfließen lässt, hinter dem sich der japanische Haiku-Dichter Kobayashi Issa verbirgt. Beglückt "surft" die Kritikerin durch die witzigen und liebevoll gestalteten Szenen, die zudem noch ein angenehm anderes Männlichkeitsbild hochhalten als das, was zurzeit im Trend liegt. Feßmann wird hier rundum glücklich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.02.2025

Rezensentin Julia Hubernagel hört in Jan Snelas Romandebüt gleichzeitig den "Urschrei puren Materials" und eine "Sprache des Barock". Denn in der Geschichte um Amanda, die für die Erforschung der Schnecke nach Japan reist, und ihren zurückgelassenen Partner Hannes, kommen nicht nur die Menschen zu Wort, sondern auch Tiere, Pflanzen und Dinge; und sie tun dies auf sprachlich extravagante Weise, so Hubernagel: meistens "opulent" und "overdressed", egal ob es um Sex, Liebe oder das Frühstück geht, staunt die Kritikerin; dann wieder gnadenlos entschlackt in der Form von Haikus, die immer wieder zwischengeschoben werden. Das ist für Hubernagel eine spannende, auch irritierende "Diskrepanz", die sie mit Theorien Roland Barthes' aufzulösen versucht, dessen Überlegungen gerade zum japanischen Zeichensystem sie als Inspirationsquelle im Hintergrund vermutet. Der Star ist in diesem Buch ganz klar die Sprache, vermittelt Hubernagel, und nicht jeder Wortneuschöpfungsversuch gelinge gleichermaßen - was aber auch Teil des Programms sein könnte, überlegt die Kritikerin. Trotzdem ist sie insgesamt sehr angetan von dieser lyrischen Wildheit.

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