Die Arktis ist der Ort, an den der Dichter Levin Westermann in diesen Essays immer wieder zurückkehrt. Sie ist die Heimat der Moschusochsen, die einen Kreis formen, um sich und ihre Jungen vor Angreifern zu schützen, eine Taktik, die gegen den Menschen jedoch zum Scheitern verurteilt ist; das Land der Netsilingmiut (dt.: die NetsilikInuit), die aufgrund der nachlassenden Stärke ihrer Amulette immer mehr davon an ihre Kleidung heften, um die Kraft des Glücks zu erhalten; der Ort des Torpors, jener Starre, die dem Win ter mit dem Erzählen von Geschichten zu trotzen vermag. Genau für diese Macht der Fantasie und die Kraft der Sprache plädieren die Texte. "Gib nicht auf", scheinen sie zu flüstern, "mach weiter, auch wenn der Weg aussichts los scheint". Und so erzählen sie auch von persönlichen Krisen, vor allem aber von Wegen, die aus dem Dunkel und zurück in die Sprache führen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2021
Rezensent Christian Metz empfiehlt, die in zwei Bänden erschienenen Essays und Gedichte von Levin Westermann parallel zu lesen. Denn beide sind eng miteinander verzahnt, fährt der Kritiker fort, der sowohl in den essayistischen als auch in den poetischen Texten bewundert, mit welchem Erfindungsreichtum der Autor Verbindungslinien zwischen Menschen, Tieren, Dingen und Artefakten zieht. Auch motivisch macht der Kritiker immer wieder Parallelen aus, kommt dann aber doch vor allem auf Westermanns Lyrik zu sprechen: Wenn der Autor hier in drei Zyklen Identitätsfragen nachgeht, dabei mit viel Fantasie und Magie von Klimakrise, Migration, Krieg und Vertreibung erzählt und in eine "Sprachlandschaft" jenseits unser Logik führt, kommt Metz zu dem Schluss: "Brisanter kann Lyrik kaum sein!"
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