Aus dem Russischen von Felix Philipp Ingold. Kann man philosophieren ohne zum Philosophen zu werden? Nichts war Lew Schestow mehr zuwider als die Selbsteinkerkerung des Denkens in fest definierten Begriffswerken - eben jenes Denken, das klassischerweise zum Philosophen adelt. 'Weshalb zu einem Schluss kommen? Wozu ein letztes Wort? Wozu eine Weltanschauung?' fragt er in seiner Apotheose der Grundlosigkeit und begibt sich damit entgegen allen wissenschaftlichen Gepflogenheiten in eine Weltbetrachtung, die ebenso widerspruchsoffen wie subjektiv verfährt. Als sarkastischer Meister 'gelehrter Ignoranz' wirbelt Schestow spielerisch durch einen Maskenball der Geistesgeschichte. Keine Philosophie, sondern ein Philosophieren jenseits der systematischen Orientierungspfade.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2015
Ulrich M. Schmid hofft auf größere Bekanntheit für den russischen Philosophen Lew Schestow durch diese Ausgabe seines Hauptwerks in der "sorgfältigen" Übertragung und Kommentierung durch Felix Philipp Ingold. Was für Schmid den Kern des von Bataille verehrten Schestowschen Schaffens darstellt, versteht der Rezensent als Angriff gegen jedes geschlossene philosophische System à la Kant, Hegel oder Marx. Der aus Fragmenten konzipierte Essay mit den Überlegungen des Autors zur Verlorenheit des menschlichen Denkens scheint Schmid die Lektüre wert.
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