Aus dem Französischen von Andreas Rötzer. In diesem Pamphlet stellt Paul Lafargue, einer der bedeutendsten Denker des Sozialismus in Frankreich, die Macht des Kapitals als religiöses System dar und regte damit an, die Religion im Rahmen der Geschichte der Entfremdungsformen umgekehrt als Vorläufer des Kapitals zu verstehen. Lafargue, der mit seinem Buch Recht auf Faulheit auch in Deutschland bekannt wurde, schlägt in seiner Kapitalismuskritik eine andere Richtung als sein Schwiegervater Karl Marx ein und geht in gewisser Weise über ihn hinaus. So sieht er das Religiöse nicht in der Ideologie, sondern im materiellen Aufbau des Kapitals.
Mit Begeisterung hat Michael Böhm diese wiederaufgelegte Schrift des Schwiegersohns von Karl Marx gelesen, die aus seiner Sicht es an "Witz und sprachlicher Eleganz" mit Autoren wie Heinrich Heine und Charles Dickens aufnehmen kann, und der auch aus heutiger Sicht immer noch als Prophet gelten kann, wie Böhm meint. Die Begeisterung speist sich für ihn im Wesentlichen aus den Textteilen, in denen die kapitalistische Welt als gewaltige Orgie des Tausches beschrieben wird, die alles zermalmt und aus den Angeln hebt und zu einer beispiellosen Ökonomisierung des Daseins geführt hat. Aber auch die Verve, mit der das Kapital als "Gefäß Gottes" geschildert wird, hat Böhm beeindruckt. Das Nachwort, das Jean Pierre Baudet zur deutschen Neuausgabe beigesteuert hat, bekommt ebenfalls gute Noten.
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