In einer kleinen albanischen Stadt, in einer Mustergemeinde im Aufbau in kommunstischer Zeit, betrachtet das Mädchen Lodja Lemani die Welt vom Küchenfenster des kleinen Elternhauses aus. Sie darf nicht draußen mit anderen Kindern spielen, ihre Freizeit verbringt sie nur im kleinen Vorhof des Elternhauses. Und nachts setzt sich ein männlicher Schatten, finster und furchterregend auf ihre Bettkante. Die Familie Lemani lebt ausgegrenzt, weil sie eine "schwarze Biografie" hat. Lodjas Großvater wird 1952 als Großbauer vor den Augen seiner Tochter von den neuen Machthabern gelyncht. Nach der kommunistischen Zeit und nach Ende der Selbstisolierung Albaniens, verlässt Lodja ihr Land und lebt als junge Frau alleine in einer westeuropäischen Stadt. Die ungewohnte Freiheit ist verwirrend für sie, vertraut ist ihr nur die Selbstisolation, in die sie sich auch hier zurückgezogen hat. Sie reist nach Albanien, um das familiäre Geheimnis aufzudecken. Lodja trifft auf große Ablehnung bei ihrer Spurensuche, aber auch auf Menschen, die ihr helfen, sich der dunklen Vergangenheit ihrer Familie zu nähern. Und danach bricht auch Lodjas Mutter ihr Schweigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2013
Lindita Arapi setzt mit ihrer Geschichte in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an, erzählt Rezensent Karl-Markus Gauß. Aufwachsend in einer albanischen "sozialistischen Musterstadt" nach Reißbrettprinzip merkt die Protagonistin Lodja schnell, dass sie von den anderen Kindern gemieden wird und dass ihre Lehrer sie ignorieren. Jede Nacht setzt sich eine dunkle Gestalt an ihr Bett, und erst Jahre später, nach dem Fall des Regimes, erkennt sie vage die Zusammenhänge. Ihr nächtlicher Besucher ist ihr Großvater, der wegen seines Widerstands gegen den Kommunismus von der Dorfbevölkerung gelyncht wurde, und der erst Ruhe findet, wenn seine Geschichte erzählt wird, fasst Gauß zusammen. Und weil es kaum Spuren dieser Vergangenheit gibt, muss Lodja sie aus Bruchstücken zusammensetzen und erfinden. Arapi schildert in diesem Rahmen nicht nur das stalinistische Regime und die patriarchale Tradition Albaniens, sondern verfolgt deren Spuren bis in die Gegenwart, erklärt der Rezensent, der sich gerade deshalb über einige Machismen der Autorin selbst wundert.
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