Aus dem Schwedischen von Nina Hoyer. In jedem Leben gibt es eine Stunde Null: der totale Zusammenbruch und gleichzeitig ein Neuanfang. Drei Frauen aus drei Generationen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben angelangt sind, die vor den Ruinen ihres Lebens stehen. Gibt es für sie noch eine Chance, auch wenn das Schlimmste schon passiert ist? Die Schriftstellerin Hedwig hat ihre Tochter nicht vor den Nazis gerettet, damit sie weiter schreiben konnte. Nun muss sie mit der Schuld leben. Ihr Schicksal spiegelt sich in dem von Isa, einem wütenden jungen Mädchen, dessen Mutter fortgezogen ist, und in dem von Ingrid, die vor der Entscheidung steht, ihren Mann zu verlassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2015
Rezensent Aldo Keel scheint fasziniert von den Verflechtungen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, die Lotta Lundbergs Roman bestimmen. Gewidmet sei das Buch der Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer, Cordelia Edvardson, die die Konzentrationslager in Theresienstadt und Auschwitz überlebte. Langgässer selbst trete im Roman als Hedwig Lohmann auf, und in derselben brandenburgischen Klosterzelle, in der die reale Person einst ein Buch verfasste, schrieb auch Autorin Lundberg an ihrem Roman "Zur Stunde Null". Das Werk dreht sich laut Keel "um große und letzte Fragen" und um schwer zu ertragende Erinnerungen, die zu Lügen führen. Der Rezensent skizziert die drei über 60 Jahre verteilten Erzählstränge, hält sich mit einer ausdrücklichen Wertung indes zurück; immerhin nennt er die Schilderungen aus dem kriegszerstörten Berlin "nuancenreich".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2015
Matthias Hannemann hat seine Einwände gegen Lotta Lundbergs vielschichtigen Roman, der sich dem Thema Schuld und Verantwortung über eine Geschichte aus dem Trümmersommer 1945 in Berlin nähert. Dass die Autorin das Schicksal ihrer Hauptfigur an die Lebensgeschichte von Elisabeth Langgässer anlehnt, findet Hannemann okay. Die Schichtung dreier Erzählstränge und die damit verbundenen Anspielungen und Querverweise findet der Rezensent allerdings mitunter etwas anstrengend. Dass die meisten Szenen eindrücklich und wohlproportioniert sind, versöhnt Hannemann jedoch wieder und macht den Text für ihn schließlich zur passenden Lektüre für eine leise Stunde.
Reichlich existenziell klingt, was Henriette Harris über diesen Roman der in Berlin lebenden schwedischen Autorin schreibt. Drei Frauen stehen Zentrum. Sie stellen sich Sinnfragen. Ihre Geschichten spielen zu unterschiedlichen Zeiten. Wie sie verflochten sind, schildert Harris nicht. Aber alle drei Frauen haben schwerwiegende psychische Probleme - und ihre Männer haben Parkinson. Mindestens. Harris scheint aber beeindruckt von der Autorin, die einen wichtigen schwedischen Literaturpreis bekommen hat und ihre Bücher in einem Kloster bei Berlin schreibt.
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