Louis Begley

Die ungeheure Welt, die ich im Kopf habe

Über Franz Kafka
Cover: Die ungeheure Welt, die ich im Kopf habe
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2008
ISBN 9783421043627
Gebunden, 335 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger. Kaum ein anderer deutschsprachiger Autor hat die Literatur der Moderne so stark geprägt wie Franz Kafka. Dem Leben dieses Ausnahmetalents widmet sich jetzt Louis Begley Selbst ein jüdischer Schriftsteller mit juristischem Hintergrund, gelingt es ihm, sich intensiv, aber durchaus kritisch, in Kafkas Biographie einzudenken und dem Leser dessen oft rätselhafte Texte auf eine bisher ungekannte Weise nahezubringen. Das Leben und Denken Franz Kafkas bleibt auch heute, nach breiter und intensiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesem Künstler, oftmals fremd. Mit Louis Begley nähert sich nun ein zeitgenössischer Autor dem Leben und Werk Franz Kafkas und erkennt in ihm den Mann der beginnen Moderne - isoliert und voller Selbstzweifel. Durch die Auseinandersetzung mit Selbstzeugnissen Kafkas in Briefen und Tagebuchaufzeichungen, aber auch durch die Kontrastierung mit Aussagen von Freunden und Weggefährten des Autors gelingt es Louis Begley, ein ebenso einfühlsames wie kritisches Bild von Kafkas Leben zu zeichnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2008

Keine Scheu vor "Biografismus" zeigt Louis Begley in seinem Kafka-Buch, und er fördert bei der intensiven Beschäftigung mit Kafkas Frauengeschichten und seinem Verhältnis zum Judentum so manch kuriose Einzelheit zutage, stellt Martin Krumbholz durchaus anerkennend fest. Wenn es darum geht, das literarische Werk zu interpretieren, ist der Autor dagegen deutlich zurückhaltender, was dem Rezensenten mitunter gar zu demütig anmutet. Deshalb findet Krumbholz es auch umso beherzter, wie Begley die "Leerstellen" in Kafkas Werken auf die Verfassung ihres Autors zurückführt und beispielsweise für das offene Ende des Romans "Das Schloss" erklärt, Kafka sei nicht etwa zu krank gewesen, um den Roman zu beenden, sondern er habe schlicht selbst keine Lösung gefunden. Den hermeneutischen Leistungen eines Roberto Calassos allerdings kann der Schriftsteller Begley nicht das Wasser reichen, befindet Krumbholz knapp.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.07.2008

Lesenswert und besonders für Kafka-Novizen hilfreich findet Rezensent Ulrich Greiner das Kafka-Buch des amerikanischen Schriftstellers. Besonders inspirieren ihn Louis Begleys Gedanken zu Fragen von Wahrnehmung und Wirklichkeit beim Lesen. Auch Begleys Gedanken über die Zusammenhänge von Kafkas "gespenstischer Welt" und das Klammern seiner Figuren an die Gesetze der Logik, nimmt der Rezensent mit großem Interesse auf, der auch die Auseinandersetzung mit der Abwesenheit eines wirklichen Erzählers bei der Kafka-Lektüre höchst aufschlussreich findet.

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