Aus dem Französischen von Dieter Hornig. In der 'Zone' aufwachsen, heißt abgebrüht sein von Geburt an. Die Zone, das ist ein Armenghetto im Lyon der dreißiger und vierziger Jahre, in dem die Vogelfreien leben. Im Mittelpunkt dieses Schmelztiegels polnischer, rumänischer, deutscher, italienischer, arabischer, jüdischer Einwanderer stehen die beiden Kneipen (die eine von Feld, die andere von Feltin) und Ledernachts Lumpenladen, in dem sich die ganze Siedlung mit Kleidern voller Wanzen eindeckt. Raufereien sind der beliebteste Zeitvertreib, unter Erwachsenen wie Kindern herrscht fröhliche Promiskuität, Kleinkriminalität ist Ehrensache, Mord und Totschlag geschehen eben, und allenthalben lauert der Wahnsinn. Doch alle träumen auf ihre Weise vom Ausbruch...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2015
Rezensent Thomas Laux muss lange suchen nach einem Lichtblick in dieser Symphonie der Verlorenheit von Louis Calaferte. Die Kindheit und Jugend in den Elendsvierteln von Lyon, die der Autor in seinem Buch gnadenlos offen und mit Sinn für die Unerbittlichkeit dieser Sozialisation beschreibt, geht Laux sichtlich an die Nieren. Für ihn besticht der Text nicht zuletzt durch den Kontrast zwischen der inhaltlichen Härte und dem Gossenjargon einerseits und überraschend poetischen, leisen Momenten andererseits. Irritiert zeigt sich Laux weniger von der bei der Erstveröffentlichung 1952 noch heiß diskutierten sexuellen Freizügigkeit des Textes, als von der darin zutage tretenden Misogynie. Die scheint Laux dem eigentlichen Niveau des Textes unwürdig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2015
Rezensentin Katharina Teutsch bemisst die besondere Anziehungskraft des aus dem Jahr 1952 stammenden Romandebüts von Louis Calaferte an der Kluft, die der Autor zwischen seinem Panorama des Lumpenproletariats im Lyon der Zwischenkriegszeit und dem politischen Geist der Zeit einzieht. Dass der aufziehende Faschismus im Text keine Rolle spielt, sondern der Autor sich mit naturalistischer Genauigkeit auf die Verwahrlosung seiner Figuren konzentriert, auf Gewalt, Elend und Schuld, findet sie stark. Wenn Calaferte von der Unentrinnbarkeit vor der Schuld erzählt und vom Mangel an der Vorstellung von einem besseren Leben, fühlt sich Teutsch an Agota Kristofs moralisches Werk erinnert.
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