Fatima Daas

Die jüngste Tochter

Roman
Cover: Die jüngste Tochter
Claassen Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783546100243
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sina de Malafosse. Fatima ist das Kind, auf das keiner mehr gewartet hat, die Nachzüglerin, die einzige Tochter, die in Frankreich und nicht in Algerien zur Welt gekommen ist. Sie wächst mit ihren Schwestern in der berüchtigten Banlieue Clichy auf. Liebe und Sexualität sind in ihrer Familie ein Tabu. In der Schule ist Fatima unangepasst, laut und voller Wissensdurst. Sie hängt am liebsten mit den Jungs herum und fühlt sich falsch in ihrer Haut. Bis sie Nina trifft und ihre eigenen Gefühle für sie erkennt. Doch eine Frau zu lieben, bringt sie nicht nur in Konflikt mit ihrer Familie, ihrem Glauben, sondern auch mit sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.06.2021

Rezensent Burkhard Müller ist von Fatima Daas' Debütroman "Die jüngste Tochter" ganz erstaunt. Das Erstlingswerk erzähle von einem Leben in der Banlieue von Paris und den Konflikten bezüglich der islamischen Religionszugehörigkeit, Herkunft und verheimlichten Homosexualität der jungen Ich-Erzählerin Fatima, so der Rezensent. Der "litaneihaft immer gleiche Auftakt" der Kapitel, die kurzen eingeleiteten Abschnitte und der unausgeschmückte Erzählstil des Debüts erinnern Müller an die Suren im Koran und wirken kontrastierend zur Befangenheit der Protagonistin. Überraschend unerwartet findet der Rezensent, dass die Form des Buchs sogleich stark, traditionsgesättigt und doch offen für das Neue ist. Dass die homosexuelle, muslimische Autorin mit Migrationshintergrund sich damit von der verpflichtenden Bekräftigung ihrer Identitätsgruppen befreit habe, beeindruckt ihn. Ein "erstaunlich selbstständiges" und kraftvolles Debüt der noch so jungen Fatima Daas, schließt der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.05.2021

Rezensent Kolja Unger ist sehr fasziniert von dem "spiralhaft" sich entwickelnden Text, der jedes Kapitel wieder mit der nahezu gleichen Sprachformel beginnt, fast wie die Suren des Koran, so stellt er fest. Durch die mal sehr kurzen, dann wieder langen Sätze, die einen ganzen Absatz herstellen, entsteht zusätzlich ein "Sog", so der Kritiker, und im Laufe der Lektüre werde von der Romanfigur Fatima eine Identitätsschicht nach der anderen aufgerollt. Der Rezensent versteht den Roman eines nicht-glückenden Liebens auch als Identifikationsangebot an all jene algerisch-stämmigen, muslimischen, lesbischen Französinnen, die mit großem "Selbstzweifel" leben müssten. Nur ganz am Schluss der Besprechung deutet der Kritiker an, dass manche Verknappung auch mal mit etwas sehr viel Bedeutung aufgeladen scheint.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.05.2021

Rezensentin Nora Karches empfiehlt den Debütroman von Fatima Daas. Wer autofiktionales Schreiben 2.0 kennenlernen und erleben möchte, wie cool, eindringlich, komplex und leicht sich über Herkunft, Identität, Gender und das Leben als muslimische Lesbe schreiben lässt, der lese dieses Buch, rät Karches. Daas' antilinearer, sich formal an den Koransuren orientierender Text mit seiner authentischen Sprache bietet der Leserin dazu eine seltene Formbewusstheit und sagenhafte Liebesszenen, schwärmt Karches.